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Mediengestalter Print vs. Mediengestalter Digital

In einem Café in Köln traf ich den Bereichsleiter für Medien, Druck- und Medientechnik am Berufskolleg Kartäuserwall. Auf einer Couch rechts des Eingangs, hatte ich es mir gemütlich gemacht. Ich analysierte die Speisekarte (ein als Printmedium vom Aussterben bedrohtes Ding?), dann erschien Harald Darmstadt, ein charmanter Mann, der neben einem Gespräch über Berufsschule, Studium und Privates die Medienblick-Leitfrage des Monats Juni: „Ist Print am Ende?!“ beantwortete.


Medienblick: Deutsche Männer sind im Schnitt eine Stunde und 18 Minuten pro Tag online, Frauen 48 Minuten – Wie viel Zeit verbringen sie täglich im Netz?

Herr Darmstadt: Meine tägliche Nutzungsdauer beträgt ca. 30 Minuten. Ich nutze es für Emails, Telefon, Fachinformationsbeschaffung, Einkäufe, Veranstaltungen, Urlaub und soziale Netzwerke.

Herr Darmstadt
Herr Darmstadt

Medienblick: Glauben Sie, der Trend Offline zu Online wird immer weiter in diese Richtung gehen? Was könnten Gründe für die Entwicklung sein?

Herr Darmstadt: Ja, der Trend wird weiter gehen! Es ist die Mediennutzung der jungen Generation. Die Auszubildenden Mediengestalter (MG) Digital verzeichnen schon leichte Zuwächse. Und die Chancen für eine Übernahme in ein Arbeitsverhältnis sind wesentlich besser als bei den MG Print.

Medienblick: Im Moment ist es so, dass Mediengestalter Digital und Mediengestalter Print im ersten Ausbildungsjahr gemeinsam unterrichtet werden. Für wie sinnvoll erachten Sie dies?

Herr Darmstadt: Für den Erwerb des Grundlagenwissens des MG Print über MG Digital und umgekehrt ist eine gemeinsame Beschulung nicht zwingend notwendig. Die MG Digital fordern in der Mehrzahl eine Trennung. Allerdings profitieren die Auszubildenden oft vom Spezialwissen des anderen.
Ich persönlich plädiere für eine getrennte Beschulung.

Medienblick: Der Beruf des Mediengestalters für Digital- und Printmedien ging aus dem Beruf des Schriftsetzers hervor, der vor 12 Jahren durch § 14 „Verordnung über die Berufsausbildung zum Mediengestalter für Digital- und Printmedien“ (BGBI) aufgehoben wurde.
Damals modernisierte man diesen Ausbildungsberuf. Wie ist es heute mit Mediengestaltern: Wird man sie im Print-Bereich immer brauchen? Ist die Vision einer erneuten Modernisierung, die gar keine Mediengestalter im Print-Bereich mehr vorsieht, utopisch?

Herr Darmstadt: Seit dem 1. August 2007 ist die neue Verordnung für die Ausbildung zum Mediengestalter Digital und Print in Kraft. Sie unterscheidet sich nicht nur durch eine Aktualisierung, sondern besonders durch die Neuschneidungen der Fachrichtungen und die kompetenzorientierte Beschreibung von der vorherigen Verordnung.
In den letzten Jahren ist bei uns die Anzahl der MG Print nur leicht zurückgegangen. Pro Jahrgang führen wir vier bis fünf Klassen MG Print und ein bis zwei Klassen MG Digital.
Der Rückgang der Printmedienproduktion wird sich auf die Anzahl der Druckbetriebe und Werbeagenturen und somit auch auf die Ausbildungsplätze auswirken. Der Beruf des Mediengestalters wird noch viele Jahre ausgeübt werden.

Medienblick: Welche Vorteile weist der Print-Bereich gegen über dem Online-Bereich auf?

Herr Darmstadt: Die Antwort auf diese Frage wurde schon unzählige Male gegeben und ist allgemein bekannt!

Medienblick: Bereits 80% der deutschen Jugendlichen nutzen das Internet regelmäßig; Tendenz steigend.  Spielt das Internet beim Lernen in der Berufsschule eine (wichtige) Rolle? Benutzen Ihre Auszubildenden noch Bücher?

Herr Darmstadt: Wenn es sinnvoll ist, wird im Unterricht das Internet genutzt. Ansonsten stehen den MG Fachbücher zur Verfügung.
Die Situation wird sich erst bei einer verbindliche Einführung eines Notebooks ändern.

Medienblick: Können Sie sich vorstellen, dass Bücher, Zeitungen und Zeitschriften zukünftig durch iPhone, iPad, eBook und ähnliches ersetzt werden? Sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich?

Herr Darmstadt: Nicht ersetzt, aber zunehmend reduziert.

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