Sabine Lewitscharoff über das Schreiben

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Von wegen alt und staubig

Junge Bundestagsabgeordnete sieht man nicht allzu häufig. Aber es gibt sie, die jungen Wilden in der Politik. Gerade die FDP bringt immer wieder ambitionierten Politiknachwuchs hervor. So auch Johannes Vogel – mit gerade einmal 28 Jahren sitzt er bereits im Bundestag und ist arbeitsmarktpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Mit dem Medienblick spricht er über Hintergründe, Chancen und Schwierigkeiten seiner Laufbahn.

Herr Vogel, Sie sind schon sehr früh in die Politik eingestiegen. Was hat Sie als junger Mensch dazu bewegt, sich politisch zu engagieren?

Ich war schon immer ein politisch interessierter Mensch und bin auch in einer politisch interessierten Familie groß geworden. In den 90er wurde über die Frage Großer Lauschangriff diskutiert – das Thema Bürgerrechte ist mir sehr wichtig und hat mich stark politisiert. Dann habe ich mir die politischen Organisationen angeschaut und habe über den Umweg über die Grünen zu meiner politischen Heimat gefunden. Am Anfang ist das keine große Sache, man geht einmal im Monat zu einem Diskussionsabend. Dann wird es immer mehr und immer mehr und irgendwann verbringt man seine Freizeit damit.

Warum FDP?

Mich hat das Programm überzeugt, konsequent auf möglichst viel Freiheit zu setzen. Diese Konsequenz habe ich bei anderen Parteien, obwohl es auch durchaus Gemeinsamkeiten in einzelnen Feldern gibt, nicht finden können.

Von 2004 bis 2009 waren sie jüngstes Kreistagsmitglied des Rheinisch-Bergischen Kreises. Mit nur 28 Jahren sind Sie bereits Bundestagsabgeordneter. Warum denken Sie, haben sie solch einen rasanten Aufstieg hingelegt?

Das hat sich so ergeben. Mir hat die politische Arbeit grundsätzlich Spaß gemacht und dann gab es immer wieder Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen. Wenn einem etwas Spaß macht, geht man einen Schritt weiter und wenn einem das wiederum Spaß macht, geht man noch einen Schritt weiter. Was mich außerdem dabei gehalten hat, war zu merken, dass man auch etwas bewegen kann. Ich habe von Anfang an mit einem realistischen Anspruch gearbeitet, aber ich habe auch immer früh genug Erfolgserlebnisse gehabt, die mir zeigten, dass das eigene Engagement etwas verändern kann.

Zum Beispiel?

Auf meinem ersten Bundesparteitag der FDP als Juli-Vorsitzender haben wir einen Änderungsantrag zur Abschaffung des Großen Lauschangriffs durchbekommen und damit zur Korrektur einer historischen Fehlentscheidungen der FDP beigetragen. Es kamen natürlich auch Misserfolge in den letzten Jahren dazu, aber es war immer genug da, wofür sich die Arbeit gelohnt hat.

Begegnen Ihnen ältere Politiker mitunter mit Skepsis? Haben sie das Gefühl, genauso ernst genommen zu werden wie ältere Kollegen?

Es gibt solche und solche. Es gibt Politiker, die sehr offen sind, was junge Leute angeht. Aber es gibt natürlich auch welche, die mich mit 28 im Bundestag etwas skeptisch beäugen. Aber ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass man mit guter Arbeit Respekt erlangen kann. Wenn man zeigt, dass man genauso fit, klug und genauso fleißig ist, wie andere auch, wird das anerkannt. Man hat natürlich nicht die Erfahrung älterer Politiker, dafür hat man als junger Mensch eine andere Energie. Einige wenige bleiben skeptisch, aber das sind meistens sowieso die Engstirnigen.

Oft hat man den Eindruck, dass sich Politiker und Parteien gegenseitig die Fehler zuschieben aber selbst keine konkreten Lösungsvorschläge anbieten…

Ich denke das ist teilweise normal in der Politik. Die Opposition ist auch dafür da Alternativen darzustellen und die Regierung zu kontrollieren. Deshalb ist dieses Maß an Kritik ok und es ist legitim, dass  Politiker darauf hinweisen, was andere falsch gemacht haben. Es darf sich aber nicht darauf beschränken und das ist mir zu oft der Fall! Zu der Kritik muss hinzukommen, dass man auch zugibt, selbst Fehler gemacht zu haben. Man muss aber auch zugeben, wenn die andern eine gute Idee haben und einen Ansatzpunkt finden, gemeinsam zu arbeiten. In der fachpolitischen Arbeit wird zum Beispiel sehr konstruktiv miteinander gearbeitet.

Ist dieser überparteiliche Austausch bei Politikern der jüngeren Generation einfacher?

Ja. Ich glaube die Politiker der jüngeren Generation können überwiegend sehr gut zwischen persönlicher und politischer Ebene trennen. Das heißt, man kann sich persönlich sehr gut verstehen und auch mal über die Parteigrenzen hinaus oder über die Grenzen von Regierung und Opposition hinweg ein Bier trinken gehen und trotzdem Argumente austauschen, bei denen man unterschiedlicher Meinung ist. Das macht es einfach, das „aus Prinzip dagegen sein“ wegzulassen und zu schauen, wo es vielleicht auch Verbindungen gibt.

Der Umgang mit den Neuen Medien in der Politik und die aktuelle Enquete Kommission zeigen, dass der Beitrag junger Politiker wichtig ist. Was erwarten Sie von solch einer Kommission?

Ich glaube die Kommission selber wird nicht zu konkreten Errungenschaften führen, aber sie kann vielleicht eine Debatte prägen und dazu führen, dass sich zumindest die jüngeren Politiker, die etwas vom Internet verstehen, auf überparteiliche Leitlinien einigen. Zum Beispiel Thema Internetsperre: Die Debatte war eindeutig davon geprägt, dass viele ältere Politiker überhaupt nicht verstehen, was die Probleme sind, weil sie das Internet nicht gut genug kennen. Das für die Zukunft zu vermeiden und eine gemeinsame Diskussionsgrundlage zu schaffen – das wäre etwas, das als Ergebnis wünschenswert ist.

Sie sind außerdem arbeitsmarktpolitischer Sprecher der FDP, können Sie eine kurze Prognose für die Masterabsolventen 2011 wagen?

Ich habe die Hoffnung, dass es nächstes Jahr noch besser aussieht, wenn es mit dem Wirtschaftswachstum so weitergeht wie bisher. Dann kommt der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt mit einer ziemlichen Wahrscheinlichkeit auch bei den Berufseinsteigern und der Breite der Fachrichtungen an!

 

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