Interview mit Dr. Gunnar Bender, Experte politische Kommunikation
MB: Hallo Herr Bender, Sie haben der FDP beim Onlinewahlkampf in diesem Jahr mit kommunikativem Expertenrat zur Seite gestanden. Was war das Besondere an diesem Wahlkampf im Web?
Der Bundestagswahlkampf hat gezeigt, dass dialogorientierte Kommunikation übers Internet funktioniert. Der Einsatz von Twitter, Facebook, Blogs und anderer Social Software hat den Kontakt zu den Wählerinnen und Wählern gestärkt, neu etabliert und Politik ein Stück weit emotionalisiert. Das Web 2.0, also Social Media, dient als Multiplikator, mit dem eine Message viel persönlicher und gehaltvoller verbreitet werden kann als das mit den traditionellen Massenmedien je möglich wäre. Social Media ist emotional und durch ihren Einsatz wird auch Politik greifbarer. Wie man sieht, hat es ja auch geklappt (schmunzelt).
MB: Ist Deutschland überhaupt schon so weit, Politik im Web zu betreiben? Wird das Web 2.0 hier nicht etwas überschätzt?
Keineswegs. Besonders in der Altersgruppe der unter 30-Jährigen spielt das Internet eine wichtige Rolle bei der politischen Orientierung. Für 77 Prozent ist das Netz die wichtigste politische Informationsquelle, gefolgt vom Fernsehen mit knapp 60 Prozent. Vor diesem Hintergrund bietet gerade eine dialogorientierte Kommunikation im Web 2.0 die Chance, dass sich auch gerade junge Menschen wieder stärker politisch engagieren.
MB: Ihr Credo für den Wahlkampf lautete: Gewinnen kann nur, wer dem Wähler zuhört. Wie soll das jetzt nach der Bundestagswahl weitergehen? Da ist die einzelne Bürgerin den Politikern doch längst nicht mehr wichtig, erst in knapp vier Jahren dann wieder….
Nein, das stimmt nicht. Ich glaube, dass genau das mit der Wahlkampagne auch deutlich wurde: Die Politik bewegt sich ins Netz und im Netz. Nicht erst in vier Jahren, sondern jetzt spielt Social Media eine Rolle. Jetzt muss dort weitergemacht werden, wo der Wahlkampf aufhörte. Das Community Building geht weiter, die Zeit zwischen den Wahlen ist bald wieder wichtiger als die Zeit kurz davor. Genau das ist der Unterschied zur alten Wahlkampfkommunikation. Constant Community Building ist das Schlagwort.
MB: Ihr Statement zur Piratenpartei?
Die Piratenpartei hat dafür gesorgt, dass Internetthemen auch in der breiten Öffentlichkeit angekommen sind. Die heranwachsende Generation fühlte sich bisher mit ihren internetspezifischen Interessen von der Politik nicht ausreichend repräsentiert. Die Piraten trafen mit ihren Ideen deshalb genau den Nerv vieler junger Leute: Sie spielten außerdem mit dem Reiz des Neuen und des Verbotenen. Das Hauptproblem war allerdings die monothematische Aufstellung der Piratenpartei. Die schwarz-gelbe Koalition muss jetzt diese Lücke füllen und glaubwürdig zeigen, dass Politik 2.0 in erster Linie Bürgerdialog für alle bedeutet und deshalb keine Sache einer kleinen Splitterpartei sein kann.
MB: Können Sie diesen „Bürgerdialog“ mal etwas konkretisieren?
Bürgerdialog bedeutet aus Sicht der Politik nichts anderes, als dass die Bürgerinnen und Bürger ernst genommen werden, sie ihre Meinungen und Anliegen vorbringen können – auch das funktioniert mit Social Media im Übrigen viel besser – und ihnen auf der anderen Seite Vertrauen in Form von mehr Transparenz entgegen gebracht wird. Das Handeln der Regierung wird hier nicht mehr als Einweg-Kommunikation verstanden, sondern als ein Prozess, zu dem die Bevölkerung einen wesentlichen Teil beiträgt. Präsident Obama hat mit seiner Open Government Initiative jüngst vorgemacht wie das aussehen kann. Das sollte sich die Bundesregierung mal etwas genauer anschauen.
MB: Wunderbar. Ein Schlusswort?
Mir ist einfach wichtig, dass die Investitionen in die Onlinekanäle weitergehen. Die Mittel dürfen hier nicht gestrichen werden, denn die Bürger wollen über die neu geschaffenen Communities weiter angesprochen werden. Je mehr Leute Social Media im politischen Diskurs nutzen, d.h. um Politikerinnen und Politiker zu kontaktieren, ihre Statements zu rezipieren, zu kommentieren und zu distribuieren, umso besser wird auch die Kommunikation zwischen der Politik und der Bevölkerung funktionieren. Der Einsatz von Social Media ist damit letztlich ein Beitrag für mehr Demokratie in diesem Land.
Dr. Gunnar Bender war freier Kommunikationsberater für die FDP im Bundestagswahlkampf 2009. Sein Fokus lag insbesondere auf dem Einsatz von Social Media in der Wahlkampfkommunikation und dem dialogorientierten Kontakt zur Wählerschaft.
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[...] 11/11/2009 um 09:48 · Gespeichert unter FDP, Internetpolitik Das neue Interview mit Dr. Gunnar Bender, Managing Partner, Conversation Partners, lesen Sie hier: - „Unsere politische Zukunft wird ohne das Web nicht auskommen“ « MEDIENBLICK BONN. [...]