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Thema im September: Film & Bewegtbild

Kein Medium hat die Menschen im letzten Jahrhundert so bewegt und unterhalten, beschäftigt und geformt wie der Film. Deshalb ist es höchste Zeit, diesem Thema eine eigene Ausgabe zu widmen. Begonnen wird – wie immer – mit den Basics.

von Philine Lissner und Marit Stracke

Das Oligopol der Filmstudios

Kaum einer hat eine konkrete Vorstellung davon, was das  eigentlich ist, so ein Filmstudio. Korrekter heißt es  Filmproduktionsgesellschaft und die entwickelt, finanziert, bereitet die Produktion vor, wickelt Dreharbeiten,  Postproduktion und Verleih ab. In der Pionierzeit des Films  gründeten sich in den USA große Gesellschaften, die schnell an Einfluss gewannen und sich mit vertraglich gebundenen Starschauspielern Erfolge sicherten.

Auch heute noch existieren viele dieser alten Filmriesen. Gerade in Hollywood teilen sich eine Handvoll davon die Macht: So zum Beispiel die Walt Disney Company  mit Buena Vista Home Entertainment oder den  Pixar Animation Studios, Viacom  mit Paramount Pictures und Dream Works oder Time Warner (Warner Bros, New Line Cinema).

Aufschwung und Abstieg der Independentfilme

Beinahe zeitgleich mit diesem Triumph der Größe gründeten einige Unzufriedene die Gesellschaft “United Artists”, darunter auch Charlie Chaplin. Sie sollte dem Vertrieb unabhängiger Produktionen dienen, die von später gefeierten Größen wie Orson Welles inszeniert wurden. Schon da zeigten sich Merkmale des unabhängigen Films: künstlerisch ambitioniert, gegen die klassischen Erzählmuster und unter höherem Druck durch niedrigeres Budget produziert. Der  Independentfilm war also ursprünglich rein US-amerikanisch, weil er zunächst explizit gegen Hollywood arbeitete. Der Begriff selbst sollte erst sehr viel später entstehen, in den 1980ern, als die erste Hoch-Zeit des “Indiefilms” schon vorbei war.

In Deutschland entstand ab 1960 mit Werken von Wim Wenders oder Rainer Werner Fassbinder der Junge Deutsche Film, in Frankreich die Nouvelle Vague. 10 Jahre später feierte man in den USA New Hollywood. Bald darauf aber folgte der Niedergang der unabhängigen Produktionen durch zu viele finanzielle Desaster. Schließlich etablierte sich mit einem neuen Aufschwung endlich der Begriff  des Independentfilms als feste Größe: es handelte sich um eine konkrete Gegenbewegung zu Hollywood, mit teils großen Erfolgen wie Reservoir Dogs oder Pulp Fiction.

Durch das entstehende Interesse der größeren Studios verwischten die Grenzen aber bald darauf wieder. So kann man heute nicht mehr jede kleinere Filmgesellschaft als “independent” bezeichnen, der Markt hat sich mit und neben den Hollywoodgrößen vermischt, aufgeteilt und ist unübersichtlich geworden.

Großes Kino international

Ob man Filmstile noch nach Ländern aufteilen kann, ist fraglich. Zumindest nach der Liste der 100 erfolgreichsten deutschen Filme können Filme auch innerhalb eines Landes sehr unterschiedlich sein. Aber nicht nur auf Wikipedia findet man feinsäuberliche Auflistungen von Afrikanischem Film, Koreanischem, Italienischem, Mexikanischem Film… Und es gibt ja auch Marken, die unzweifelhaft bestimmten Erdteilen zugeordnet werden können – siehe Beispiel Bollywood.

Die Technik und das liebe Geld

Neben den Genres hat sich natürlich auch das technische Know-How mit Siebenmeilenstiefeln weiterentwickelt. Eins kann man nämlich über die meisten Filme sagen: sie kosten viel Geld und bewegen sich am Puls der Zeit. So beispielsweise bei den Brüdern Lumière, die das Publikum zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit unfassbaren Special Effects begeistern: Sie lassen Szenen rückwärts laufen oder platzieren die Kamera auf einer fahrenden Eisenbahn. 1915 lief mit „The Birth of a Nation“ dann der erste Film, der mehr als eine Million Dollar kostete.

Etwa 20 Jahre später kommt der Film in die Kinos, der inflationsbereinigt bis heute die Liste der erfolgreichsten Film anführt: „Vom Winde verweht“. In dieser Liste muss sich der gehypte „Avatar“ auf Platz 14 zufrieden geben. Aber zurück zur Technik, denn in den 60er Jahren setzt Stanley Kubrick Maßstäbe in Sachen Schnitt und Montage – für den Einsatz des Match Cuts und die anschließenden Analysen von „Odyssee im Weltraum“ werden ihm die Filmstudenten aus aller Welt noch lange dankbar sein.

In den 70er Jahren dann allerdings geschieht eine wahre Revolution, denn erstmals finden computergenerierte Bilder Einzug in den Film, genauer gesagt in den Sci-Fi Streifen „Westworld“. Von da an ist der Siegeszug der Computereffekte nicht mehr aufzuhalten. Erstaunlich eigentlich, dass Lucas‘ Star Wars Triologie hier einen Meilenstein setzt, ohne in der Liste der 100 teuersten Filme aufzutauchen. Auch vor Hauptdarstellern macht CGI nun nicht mehr halt, wie die Geschichte rund um Arnold „Terminator“ Schwarzenegger 1991 beweist. In den 90ern gibt es übrigens auch gleich zwei erfolgreichste Filme aller Zeiten, zumindest nach absoluten Zahlen: erst „Jurassic Park“, der dann 1998 von „Titanic“ abgelöst wird.

Höher, schneller, weiter?

Haben Regisseure früher noch mit den Produktionskosten geworben und auch gerne übertrieben, entwickelt sich heute langsam ein Gegentrend. Die 10er Jahre sind gespickt mit teuersten Filmen wie „Fluch der Karibik 3“ (300 Mio US$) oder „Spiderman 3“ (258 Mio US$), damit halten die Studios aber eher hinter dem Berg.

Zumindest bis „Avatar“, der ja bekanntlich mit 500 Millionen Dollar der teuerste jemals gedrehte Film ist und mit seinen 3D Effekten nur die allerneueste Technik verwendet. Auch hier zeichnet sich allerdings ein Gegentrend ab, denn mit „The Expendables“ ist nun ein Film in den Kinos, in dem die Männer wieder gepflegt selber draufhauen können. Hat man also nun genug von besser, teurer, mehr? Wir werden sehen.

In dieser Ausgabe enthalten:

- YouTube oder TheyTube? Aktive Nutzer unerwünscht. Von Linda Rath-Wiggins

- Seelenlose Multiplexe und elitäre Filmkunstkinos – Kinolandschaft in Bonn. Von Daria Hufnagel

- Kunst und Kino. Von Philine Lissner

- Von bewegten Worten zu bewegten Bildern. Von Sarah Böld

- Zukunftsmusik: Fernsehen und seine Hybride. Von Marit Stracke


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