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Blog gegen Print. Oder: Der Versuch eines Streitgesprächs

Im NRW-Wahlkampf oder in der Affäre um Rüttgers waren es Blogger, die mit ihrer kritischen Berichterstattung den klassischen Printmedien den Rang abliefen. Ob es sich hierbei um eine Ausnahmesituation oder einen Wegweiser in die Zukunft des Journalismus handelt, wurde im Juli in Bonn von fünf namenhaften Journalisten und Bloggern diskutiert.

„Die Zeit ist reif für einen kritischen Journalismus im Netz“. Vor diesem Hintergrund taucht man in die Welt des „Wir-in-NRW“-Politblogs ein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, politische Missstände in NRW aufzudecken und unabhängig zu kommentieren. Kopf hinter dem Projekt ist Alfons Pieper, ehemaliger Stellvertretender Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ).

Beim Streitgespräch zum Thema „Blog gegen Print“ bemängelt er an diesem Juliabend in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn die aktuellen Entwicklungen landespolitischer Berichterstattung. „Alles was in den Zeitungen zu lesen ist gefällt mir nicht, ist mir zu einseitig und weichgespült.“ Grund genug für den pensionierten Journalisten, einen Politblog ins Leben zu rufen und online die Medienlandschaft aufzumischen.

Meinungsmache ohne Hierarchien

Auch Stefan Niggemeier, Medienjournalist und Blogger, treibt eine ganz ähnliche Motivation an. „Die klassischen Medien sagen schon lange nicht mehr das, was gesagt werden muss.“ Niggemeier ist heute einer der bekanntesten Watchblogger in seinen Reihen. Der 40-jährige FAZ-Journalist ist Begründer des Bildblog, das seit 2004 besteht und bereits mit einem Grimme-Online-Award ausgezeichnet wurde.

Für Niggemeier liegen die Vorteile des Blogging auf der Hand: „Die Umsetzung eines Blogs ist technisch einfach, zudem benötigt man kaum finanzielle Mittel.“ Daneben hat es für ihn einen ideologischen Charakter. „Man wird Blogger, weil man sich von den klassischen Medien nicht mehr vertreten fühlt.“ Dass sich dabei mittlerweile jeder selbst veröffentlichen kann, führt laut Niggemeier zu einer problematischeren Form journalistischen Arbeitens. „Journalismus wird insgesamt demokratischer, aber das ist natürlich nicht in allen Fällen eine positive Entwicklung, gerade wenn es um Politik geht.“

Zeitungen müssen Leserangebot erweitern

Eine andere Meinung zum Thema „Blog gegen Print“ hat Thomas Seim. Der Chefredakteur der Neuen Westfälischen wirkt entspannt: „Blogs stellen keine Konkurrenz für die Zeitungen dar, sie sind bisher lediglich eine Ergänzung“ Laut Seim hat der klassische Printbereich eine entscheidende Zukunftschance. „Wir können das, was das Internet nicht leisten kann. Nämlich Orientierung bieten.“ Trotzdem räumt er ein, dass die Zeitungen als Meinungsführer der Nation abgelöst worden sind und nun neue Bereiche erschließen müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Zustimmung bekommt Seim von Paul Elmar Jöris, landespolitischer Korrespondent des WDR in Düsseldorf. „Es ist die Auswertung und Bewertung von Inhalten, die die Zeitungen im Gegensatz zum Internet leisten können“, meint Jöris und fügt hinzu „es ist doch positiv, wenn man sich von der Konkurrenz antreiben lässt.“

Streitgespräch ohne neue Erkenntnisse

Man diskutiert die Auswirkungen auf die Qualität und die Arbeitsweise des Journalismus, stellt Gatekeeper-Funktionen in Frage, fachsimpelt über Fernseheinschaltquoten und empört sich über die Recherchearbeit moderner Journalisten. Das alles passiert allerdings zaghaft, man lässt einander brav ausreden und dümpelt lediglich an der Oberfläche der Problematik. Ein bisschen hitzig wird es im wohltemperierten Raum erst, als sich das Publikum zu Wort meldet und die modernen Arbeitsbedingungen journalistischen Arbeitens beklagt.

„Blog gegen Print“. Ein Streitgespräch sollte es werden an diesem Dienstagabend in der Friedrich Ebert Stiftung. Zu einem zaghaften „Impulsgespräch“, wie Moderator Dirk J. Müller vom Deutschlandfunk witzelt, verkommt es schließlich. Irgendwann zieht Seim sein ganz persönliches, vorsichtiges Fazit: „Was wir machen, wird auf Dauer nicht mehr ausreichen.“ In diesem Punkt sind sich alle wohl schon etwas länger einig.

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