Die wunderschönen Sugarshape-Models aus dem kommenden TV-Spot ©SugarShape GmbH
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Durch BH-Frust zum Erfolg – Ein Gespräch mit SugarShape

Er ist der alltägliche Begleiter einer Frau: Der BH. Doch bei vielen endet der Kauf im Frust – einen Passenden zu finden ist fast so schwer wie bei Mr. Right. Geht das auch einfacher? Im Gespräch mit Sabrina und Laura von SugarShape.

Von Silvia Retzko

Ein Blick in die Vergangenheit – April 2011. Hier beginnt ihre erfolgreiche Geschichte. Gesegnet mit einer großen Oberweite sind die Schwestern Sabrina Schönborn und Laura Gollers (heute 38 und 30 Jahre alt) frustriert vom BH-Kauf. Neben dem furchtbaren Licht in den Umkleidekabinen schneiden die BHs ein. Bei anderen quillt ihre Brust heraus oder das Design wäre eher etwas für die Oma – ein Erlebnis zum „Fürchten“. Sie bekommen die Rückmeldung von Verkäufer/innen, ihr Verhältnis von Unterbrustumfang und Brustumfang sei zu „speziell“.

Schlimme Erinnerungen, die beim Gespräch im Hamburger Büro wieder hochkochen. Sabrina zeigt die Ernüchterung von damals: „Teilweise sind wir auch ins Sanitätshaus geschickt worden und das möchte man einfach als junge Frau nicht. Dann haben wir gesagt: >>Ok, da müssen wir irgendwie selber etwas dagegen tun<<, denn es geht bestimmt auch anderen Frauen so.“

Mit einer Umfrage unter 600 Frauen stellen sie fest, dass sie mit ihrem Problem nicht alleine sind – die meisten Frauen sind frustriert vom BH-Shopping. Viele wissen zudem nicht, wie man sich richtig ausmisst und über 80% tragen die falsche BH-Größe. Dabei gibt es einige Anzeichen dafür, dass ein BH falsch sitzt. Häufig rutscht das Unterbrustband nach oben oder die Brust schaut unter dem BH hervor, die Träger gleiten von den Schultern oder der Mittelsteg liegt nicht an. Diese Zeichen werden leider häufig ignoriert.

Dass ein schlecht sitzender BH neben den ästhetischen Gründen auch gesundheitliche Probleme zur Folge haben und sogar negativ auf das Selbstbewusstsein schlagen kann, macht Laura eindrücklich klar: „Viele Frauen, die eine falsche BH-Größe tragen, leiden unter Nacken- und Kopfschmerzen und trauen sich nicht mehr, sich gerade hinzustellen, weil dann alles rauskommt.“

Die Gründerinnen von SugarShape: Laura (links) und Sabrina (rechts) ©SugarShape GmbH
Die Gründerinnen von SugarShape: Laura Gollers (links) und Sabrina Schönborn (rechts) ©SugarShape GmbH

 

Eine wunderbare Idee, doch die Umsetzung ist schwer

Ohne richtiges Hintergrundwissen im Textilbereich geschweige denn im BH-Design widmen sich die beiden Schwestern ihrer Idee von SugarShape. Das Schwierigste am Anfang? „Produktentwicklung“, sagen beide fast wie aus der Pistole geschossen.

Sympathisch und sehr anschaulich erklären sie, dass ein BH Funktion und Design vereinen müsse. Das bedeutet, dass die Brust ausreichend gestützt werden muss, wobei die Belastung bei einem normalen BH um 50% abnehmen soll, bei einem Sport-BH sogar um 75%. Neben diesem Anspruch soll der BH bei all der Tätigkeit, die er erledigt, auch noch schön aussehen. Außerdem besteht er aus ungefähr 50 Einzelteilen, die je nach Größe „gradiert“, also angepasst, werden müssen.

Zudem kommt hinzu, dass ein BH aus verschiedenen Stoffen gefertigt wird, wie beispielsweise Baumwolle, Elasthan und Spitze. Wenn der BH eine einheitliche Färbung haben soll, wird die Kolorierung zu einer Herausforderung, denn die Materialien nehmen diese unterschiedlich auf. „Man sagt, dass Unterwäsche, besonders in großen Größen, aber auch generell, die Königsdisziplin der Textilingenieure ist“, und die beiden Schwestern geben ehrlich zu: „Hätten wir das alles gewusst, was da auf uns zukommt, wären wir uns auch nicht sicher gewesen, ob wir das gemacht hätten.“

Aber dank neu erlangtem Wissen und dem Geld von Investoren launchen sie 2012 ihre erste Kollektion und ihren Online-Shop. Ihre Mission? Der perfekte BH für jede Frau. Dafür verabschieden sie sich vom herkömmlichen Größensystem und nehmen ein Video auf, in dem das richtige Ausmessen erklärt wird. Schnell nimmt das Geschäft an Fahrt auf, sie brauchen Unterstützung, aber das Budget ist aufgebraucht.

Ihre Familie eilt zur Hilfe. Der Vater übernimmt die sorgfältige Lagerung der BHs in der Garage, während die Mutter in liebevoller Arbeit die Pakete an die Kundinnen verpackt. Auch Sabrinas Ehemann und die weiteren Geschwister unterstützen tatkräftig. Sie alle sind die ersten Mitarbeiter und verhelfen dem Start-up zum Erfolg. Für diese Hilfe sind die Schwestern heute noch sehr dankbar: „Ohne unsere Familie hätten wir das überhaupt nicht geschafft am Anfang.“

Neben den verschiedenen Einzelteilen und Größen unterscheiden sich BHs außerdem in ihrer Passform. Full Cup, Balconette, Multiway oder Plunge? Viele Frauen können leider nicht einschätzen, welcher BH der Richtige für sie ist. Deshalb führen die schönen Schwestern ihre VIB-Box Ende 2016 in der VOX-Show Die Höhle der Löwen vor, die sich um die „very important boobs“ ihrer Kundinnen kümmert. Mit Hilfe eines Fragebogens wird dabei ermittelt, welche BHs aufgrund der Brustform und persönlicher Präferenzen in Frage kommen und diese werden dann zur Auswahl verschickt. Wem nichts gepasst hat, der kann die Box komplett und kostenfrei wieder zurückschicken.

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SugarShape-Kollektionen auf einer Kleiderstange im Büro ©Silvia Retzko

Ihre Idee schlug ein wie eine Bombe – allein eine halbe Million Besucher auf ihrem Online-Shop verzeichneten sie innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Ausstrahlung, tausende Bestellungen trudelten ein, die monatelang im Nachhinein abgearbeitet werden mussten. Obwohl der Deal am Ende mit den „Löwen“ doch nicht zustande kam, erinnert sich Sabrina mit einem Lächeln an die Zeit zurück: „Uns hat es sehr gut gefallen, wir würden das auf jeden Fall noch mal machen, wenn es eine Möglichkeit gibt.“

Nach all den Jahren und vielen Auftritten wirken die beiden sehr professionell und überlegt. Zeit, sie etwas aus der Reserve zu locken mit der Frage, welche BHs sie aus ihren Kollektionen am liebsten tragen würden. Genug Anschauungsmaterial bietet die volle Kleiderstange direkt hinter den beiden im Raum. Ihre Favoriten sind schnell benannt: Lauras „Alltagsheld“ ist das Modell Kate, ein sogenannter Spacer-BH, in schwarz. Sie erklärt, dass dieser einen besonderen Stoff besäße, welcher luftdurchlässig sei und trotzdem eine tolle Form mache. Sabrina ist begeistert von Valentina, einem zweifarbigen BH, der ein tolles Dekolleté forme und sehr hübsche Details besäße.

 

„Wir haben aufgehört Fotoretuschen zu benutzen, weil wir nicht möchten, dass die Frauen sich mit so einem unrealistischen Körperbild auseinandersetzen müssen […]. Wir sind eine Marke, die möchte, dass die Frauen sich in ihrem Körper wohlfühlen, so wie sie sind.“

 

Die Begeisterung für ihre Produkte teilen viele Kundinnen den Bewertungen in ihrem Online-Shop nach zu urteilen. Nicht zuletzt auch, da die kurvigen Gründerinnen Verantwortung im Bereich Body Positivity übernehmen. Ihnen ist es wichtig, dass sich Frauen mit den SugarShape-Models identifizieren können, anstatt einem bestimmten Ideal nachzueifern. Deshalb entschieden sie sich vor einigen Wochen für den Verzicht auf Fotoretuschen. Vorher war bereits nicht viel retuschiert worden, eher „weil man das halt so macht“, räumen Sabrina und Laura offen ein.

Badeanzug 'Liz' und Bikini 'Bali' ©SugarShape GmbH
Badeanzug Liz und Bikini Bali ©SugarShape GmbH

Auch die etwas andere Auswahl ihrer Models zeigt ihre Einstellung zu dem Thema. Anstatt eine Agentur zu beauftragen, begibt sich Laura selbst auf die Suche (z.B. über Instagram) und behält im Blick, dass sich verschiedene Haarfarben und Körperformen in ihrem Online-Shop wiederfinden. „Wir wollen immer, dass die Models eine positive Ausstrahlung einfach durch die Fotos rüberbringen können, dass sie interessant aussehen, mal einfach auch ein bisschen anders als dieses typische Unterwäschemodel.“

Und auch im Bereich der Nachhaltigkeit übernehmen sie Verantwortung, wie an ihrem neuesten Projekt erkennbar. „Sugarcycling“ nennt sich dieser Service, bei dem die Kundinnen ausgediente BHs zusenden können und daraus im Sinne des „Upcycling“ etwas Neues entstehen wird. Möglicherweise ein Kleidungsstück? Sabrina schmunzelt und teilt mit, dass sie dazu noch nichts sagen könne.

Was genau geschaffen wird, bleibt also erst einmal unter Verschluss. So viel sei gesagt: Es soll etwas Besonderes werden. Sie  erklärt den Hintergrund: „Es wird da nichts einfach verbrannt und das war uns wichtig.“ Dann heißt es erst einmal abwarten. Aber bereits in ihrer bisherigen Bademode-Kollektion gibt es Produkte, die aus recycelten Materialien bestehen wie beispielsweise die Bikinis Ahoi und Bali sowie den Badeanzug Liz.

 

Der Blick in die Zukunft

In näherer Zukunft folgt nach etlichen TV-Auftritten nun auch ihr erster eigener Werbespot, der ab Sonntag, den 22.07.2018, im Programm verschiedener Fernsehsender gezeigt wird. Zwei bekannte Gesichter sind auch dabei: Die Ex-Kandidatinnen der Model-Castingshows „Germany’s Next Topmodel“ und „Curvy Supermodel“: Leticia Wala-Ntuba und Jennifer Filippidis.

Überhaupt haben die beiden noch viele Pläne und Ideen für die Zukunft. Ein großes Thema, das sie mir nennen: Internationalisierung. „Wir wollen auf jeden Fall immer mehr Frauen glücklich machen und die Produkte weiterentwickeln. Und einfach als Marke wachsen, aber nicht um des Wachstums willen, sondern einfach, um mehr Kundinnen zu erreichen und diese Message weiter in die Welt rauszutragen.“ Ihre erfolgreiche und beeindruckende Geschichte ist auf jeden Fall noch nicht zu Ende.

 

 

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