2016 Februar 2016: Beziehungen

Du bist so alt wie Du Dich fühlst – oder ist das schon zu alt?

Ab wann bin ich eigentlich alt? Wenn ich im Supermarkt nicht mehr meinen Personalausweis zeigen muss? Wenn ich graue Haare und Falten bekomme? In letzter Zeit musste ich herausfinden: Scheinbar bin ich alt, wenn andere mich dafür halten. Und das kann ziemlich beängstigen sein.

Im Grunde bin ich doch sehr jung, Gedanken ums Altern muss ich mir nicht machen: Ich bin doch gerade erst 25 Jahre jung geworden. Ich habe keine Falten, keine grauen Haare und erst recht keine Gelenkschmerzen. Manchmal werde ich im Schwimmbad gefragt, ob ich schon über 18 sei, oder nur den Kinderpreis zahlen müsse. Und ich fühle mich tatsächlich auch sehr jung. Immerhin bin ich noch Studentin, hatte nie eine Vollzeitanstellung, sondern gehe verschiedenen Nebentätigkeiten und Praktika nach. Meine erste Reaktion, wenn ich von den Heiratsabsichten Gleichaltriger erfahre, ist Überraschung, denn ich selbst betrachte mich als viel zu jung und womöglich auch zu unreif, um eine derart weitreichende Entscheidung zu treffen – von eigenen Kindern ganz zu schweigen!

Doch wenngleich ich selbst mich keineswegs anders mit 25 als mit 24 fühle, so scheint es vielen anderen Menschen so zu gehen. Nannte ich bisher mein Alter, schien es für alle selbstverständlich zu sein, wenn ich erwiderte, ich sei Studentin, ich habe nur einen Nebenjob und sei unverheiratet. Klar, hieß es, ich sei ja noch jung. Kaum 25 geworden, behandelten mich besonders neue Bekanntschaften vollkommen anders. Auf einmal wurde ich gefragt, wie meine Karriere vorankomme, ob ich bereits verheiratet sei und daran denke, bald Kinder zu bekommen. Mit 25 schien ich mit einem Mal in den Augen aller erwachsen geworden zu sein.

Und tatsächlich kann ich wohl nicht mehr sagen, dass das gesamte Leben noch vor mir läge. Vieles, sicherlich. Viele Erfahrungen, Erlebnisse und Ziele liegen noch in ferner Zukunft. Aber je länger ich nun studiere und Praktika absolviere, desto weniger Möglichkeiten stehen mir auch offen, denn ich spezialisiere mich auf einem Feld, und schließe damit andere aus. Ich mag, was ich tue, aber ich stehe nicht mehr am Anfang meines Weges.

So alt wie ich mich fühle?

Es heißt, ein Mensch sei immer nur so alt, wie er sich fühle, doch seit meinem 25. Geburtstag habe ich den Eindruck, mein Umfeld mache mich älter. Dabei habe ich mir in so jungen Jahren nie Gedanken um das Altern und meine Beziehung dazu gemacht. Altern war immer etwas, das andere betraf, nicht aber mich. Faltencremes und Haartönungen erschienen mir ebenso fern wie Gleitsichtbrillen oder Seniorenresidenzen. Natürlich weiß ich, dass ich nicht immer jung bleiben kann, dass diese Alterserscheinungen auch auf mich zukommen, und doch ist es wohl das Laster und Vorrecht der Jugend, sich für unantastbar und unveränderlich zu halten. Das Alter ist weit weg und die Jugend hat so gut wie keine Beziehung dazu.

Und wenn es dann plötzlich kommt, kommt es überraschend – und bringt die Frage mit sich “Jetzt schon? Ich bin doch noch viel zu jung!” Bis uns schließlich einfällt, dass eine neue, junge Generation bereits auf uns schaut, und uns für alt hält. Vielleicht wird es also dringend Zeit, mein Studium abzuschließen und mir einen Job zu suchen. Immerhin, graue Haare habe ich trotzdem nicht, und sicher ist es noch lange hin, ehe ich meine High-Heels gegen einen Rollator eintauschen muss. Und bis dahin bin ich schlicht so jung, wie ich mich fühle und genieße das Leben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.