(Foto: Ksenia Felker)
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Do you wanna cry? Wie Cyberattacken unser Leben beeinflussen

Smartphones, Laptops & Co. machen uns verwundbar: Immer öfter werden sensible Daten gehackt und Teile der Infrastruktur angegriffen. Ein Gespräch mit dem SPD – Politiker Lars Klingbeil über die Folgen des Hackerangriffs WannaCry.

von Ksenia Felker

Es war nicht das erste und vermutlich auch nicht das letzte Mal. Dass es jedoch einer der größten Weckrufe war, das ist sicher. Man fragt sich, ob denn wirklich immer erst etwas passieren muss, bevor endlich gehandelt wird. Auf meiner Reise nach Berlin sehe ich vereinzelt noch die Folgen.
Wovon ich rede? Der Cyberangriff, von dem weltweit über 100 Länder betroffen sind, hat auch vor der Deutschen Bahn keinen Halt gemacht. Von Großstädten wie Hamm bis zum beschaulichen Bad Oeynhausen, die digitalen Anzeigetafeln an den Bahnhöfen bleiben leer. Auskunft erteilen nur noch Durchsagen und diese kommen entweder genau dann, wenn ein Zug durchfährt oder sind so undeutlich gesprochen, dass man letztlich doch kein Wort versteht. Unmut macht sich in mir breit.

Die digitale Schattenseite

Es ist kein Geheimnis, dass wir in der heutigen Zeit auf die digitale Technik angewiesen sind. Und dass die Digitalisierung in großen Schritten voranschreitet ist ebenfalls offensichtlich. Wenigstens kann ich mich auf die DB-App verlassen, denke ich mir. IC nach Berlin, 20 Minuten Verspätung, auch das noch. Als Pendlerin bin ich auf aktuelle Informationen zum Zugverkehr angewiesen und da ist meist das Smartphone mein bester Helfer. Die Statistik belegt: die Zahl der Smartphone-Nutzer wächst seit Jahren unaufhörlich. So besaßen 2016 rund 49 Millionen Menschen in Deutschland ein mobiles Endgerät. 1 Die Digitalisierung ist in fast allen Lebensbereichen angekommen. Und mit ihr die Angst.

Hackerangriff, Cyberattacke – davon hört man in letzter Zeit immer öfter. Ist sie das, die Schattenseite der Digitalisierung? Sie lockt uns mit Komfort und stößt uns dann doch mithilfe einer kleinen Sicherheitslücke in den Rücken. Fluch und Segen zugleich. Datenverlust ist längst nicht nur Thema von IT-Unternehmen und Computernerds. Eine andauernde Unsicherheit, die in der Luft hängt. Wenn man sich im Bekanntenkreis umhört, dann kann es sein, dass da bereits jemand dabei ist, der damit Erfahrung machen musste. Natürlich schade um die Urlaubsvideos und Kinderfotos, keine Frage. Aber es trifft nicht nur Privatpersonen, sondern auch ganze Unternehmen, Infrastrukturen und selbst die Politik ist nicht sicher. Man kann sich kaum vorstellen, was passieren würde, wenn das ganze öffentliche Netz lahmgelegt wird.

Wcrypt, WCRY, WannaCrypt – viele Namen, ein Gesicht

Der Hackerangriff, in den Medien vor allem bekannt unter WannaCry, vom 12. Mai dieses Jahres ist ein Beispiel unter vielen. Die Schadsoftware hat mindestens 150 Länder und über 200.000 Organisationen und Einzelpersonen infiziert. Die Daten auf den betroffenen Rechnern wurden verschlüsselt und sollten erst nach einer Lösegeldzahlung entsperrt werden. Eine Garantie für die Entschlüsselung und Freigabe der Daten gab es jedoch nicht – Erpressung im digitalen Zeitalter. WannaCry hat dabei eine Sicherheitslücke im Windows Betriebssystem ausgenutzt, die offenbar auch auf zahlreichen Computern der Deutschen Bahn installiert war. Über 400 betroffene Rechner führten zu Ausfällen an digitalen Anzeigetafeln und Ticketautomaten. Womit wir wieder am Anfang wären. Wenn es so weiter geht, dann zeichnet sich ein dystopisches Bild der Zukunft. Können wir etwas dagegen tun oder müssen wir uns damit abfinden, dass dieses Thema nun zum täglichen Leben gehört?

Und was sagt die Politik?

SPD-Politiker Lars Klingbeil (Foto: Tobias Koch)

Auf diese Frage erhoffe ich mir eine Antwort von Lars Klingbeil, Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion im Ausschuss Digitale Agenda. Über die Aufgaben des Gremiums schreibt der Bundestag „Im Ausschuss sollen die verschiedenen Aspekte der Digitalisierung und Vernetzung fachübergreifend diskutiert und entscheidende Weichen für den digitalen Wandel gestellt werden“. 2 Dann habe ich den richtigen Ansprechpartner, denke ich mir. Wie kann man sich nun vor Cyberattacken schützen? Klingbeil sieht vor allem in der Vorbeugung von Hackerangriffen Handlungsbedarf. Demnach müssen Sensibilität, digitale Bildung und die Medienkompetenz gefordert und gefördert werden. Nicht auf dubiose Links in seriös anmutenden E-Mails klicken und am Besten solche Mails gar nicht erst öffnen. Aber ist es wirklich so einfach? Schließlich würden viele von uns, einschließlich mir, behaupten kompetent und sensibel im Umgang mit dem Internet zu sein. Die vom SPD-Politiker betonte Sensibilität allein wird mich vermutlich nicht vor einem Angriff schützen.

Weiterhin, so Klingbeil, müsse auch in IT-Infrastrukturen und Sicherheit mehr investiert werden.In diesem Zusammenhang denkt der Politiker über eine Art Abwrackprämie für alte Computer nach. Insbesondere mittelständische Unternehmen würden oftmals mit veralteter Hard- und Software operieren. Offensichtlich aber auch die Deutsche Bahn, ein Unternehmen, das auf dem internationalen Markt tätig ist und dessen Software längst überholt wurde. Die Crux an dieser Sache ist da schnell deutlich. Eine Abwrackprämie, ist das die Lösung für all unsere Probleme? Das Konzept Alt gegen Neu ist bekannt, und was mit Autos geht, geht bestimmt auch mit Computern. Mir persönlich gefällt der Gedanke, wenn die Abwrackprämie denn genug Anreiz bietet.

Klingbeil sieht die Hersteller in der Pflicht.

„Wenn ich Software oder Produkte auf den Markt bringe, dann bin ich auch dafür zuständig, dass Sicherheitslücken geschlossen werden, sobald sie bekannt werden.“

Microsoft jedoch sieht sich nicht in der Schuld, sondern verweist vielmehr auf das fahrlässige Ausnutzen der Sicherheitslücken durch die NSA für eigene Zwecke. Hier müsse die Regierung ansetzen und Unternehmen mehr in die Pflicht nehmen, so der SPD-Politiker. Hackerangriffe und ähnliche Auffälligkeiten sollen demnach gemeldet werden, nur so könne ein Lagebild entstehen und Sicherheitslücken geschlossen werden.

Auf die Frage, wie er persönlich mit Hackerangriffen umgehe antwortet der SPD-Politiker „Ich schreibe mittlerweile E-Mails so, dass ich sage, ich gehe davon aus, die sind öffentlich.“ Zusätzlich vertraut er auf verschlüsselte Messengerdienste. Besonders beruhigend klingt das nicht. Aber Angst sollte man nicht haben, das nehme ich aus dem Gespräch mit Lars Klingbeil mit. Was bleibt ist die Unsicherheit. Und die Hoffnung, denn die stirbt bekanntlich zuletzt.

1 Statista
2 Deutscher Bundestag

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