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Aktuelles Alltag Frauenfrage - Kolumne Gesellschaft

Disneys Prinzessinnen und ihre (mangelnde) Vorbildfunktion

Wie kleinen Mädchen die Hoffnung auf den Prinzen eingeimpft wird.
„Frauenfrage“ eine Kolumne von Louisa Albrecht


Um es gleich vorweg zu sagen- das hier soll keine Schimpftirade auf Disney werden! Ich liebe viele Disney Filme! Aber eine Sache stört mich immens: Das Frauenbild.
In einem der wenigen Filme von Disney, in denen das Mädchen sich selber rettet (Mulan) kommt ein Satz vor, der bemerkenswert ist: Sie ist eine Frau! Sie wird nie etwas wert sein.
Bitte was?
Klar, der Film spielt im alten China aber die neumodischen Andeutungen von Mushu, dem Drachen, machen deutlich, dass es ein moderner Film ist. Ich mag es, dass Mulan für sich einsteht und allen Geschlechterklischees trotzt. Doch dieser Satz ist jedes Mal aufs Neue schrecklich. Diesen Film gucken kleine Kinder. Muss man das so deutlich sagen? Einen so expliziten Satz für eine Gegendarstellung gibt es später nicht, als klar ist, dass Mulan eine Heldin ist (außer: Du hast uns alle gerettet. Naja.) Warum?
Und was ist mit den anderen Filmen?

Die ersten Ansätze einer selbstbewussten Frau gab es 1991, also 7 Jahre vor Mulan, mit „Belle“ aus die Schöne und das Biest. Gaston ist eindeutig ein Sexist und Belle eine lesende, selbstbewusste junge Frau, die ihren eigenen Kopf hat. Das Feministen-Herz könnte auch fast aufjubeln- wenn da nicht am Ende diese Prinz + schönes Mädchen = Liebespaar Geschichte wäre. Aber immerhin ein erster Lichtblick.
1992 klärt Jasmin uns in Aladin zudem auf, dass Mädchen kein Preis sind, denn man gewinnen kann und in ihrem Land werden die Gesetze so geändert, dass sie heiraten kann, wen sie will. Wär es kein offensichtlich nicht-europäisches Land (also eine „fremde“ Kultur) in dem Frauen „eh weniger gelten“ hätte das doch Potential.
Ein paar Jahre später kam Mulan (1998) und dann lange nichts. Mit Filmen wie Arielle und Rapunzel wurde das Klischee weiter bedient und den Mädchen gezeigt: Der Prinz macht’s. Und da wir alle in unserem Herzen noch Kinder sind, wollen wir auch noch als erwachsene Frau an die Rettung durch unseren Traumprinzen glauben. Für viele wird dieser vermutlich nicht kommen.

Aber ab 2009 kam Bewegung auf. In Küssen den Frosch zeigt uns Tiana (keine Prinzessin und nicht einmal weiß!) dass man kämpfen muss. An den Traumprinz glaubt sie erst, nachdem sie ihn gefunden hat. 2012 geht es dann weiter mit Merida (wenngleich das damals noch Pixar war), die nicht verheiratet werden will und auch sonst ihren eigenen Kopf hat. So explizit wie Mulan äußern sich jedoch beide Filme nicht zu Gender.
Ein Jahr später dann der erste Film, in dem der Prinz sogar böse ist und sich die Mädchen komplett selber retten- Die Eiskönigin!
Klar, Anna lässt Arendelle aufgrund ihrer Naivität und dem Glauben an den Prinzen fast in die Hände des herrschsüchtigen Hans fallen, doch am Ende wird der Schurke überführt und die Schwestern retten sich durch Geschwisterliebe. (Okay, und Anna kriegt Christoff, aber das müssen wir wohl hinnehmen.) Hier sieht man: Es geht auch ohne Prinz und verlässlich sind die Herren der Schöpfung ebenfalls nicht.
Ähnlich ist es in Vayana (oder Moana), wo die junge Frau (über die kulturelle Korrektheit des Films lässt sich streiten) ihr Volk vor dem Verderben retten will. Darf man den männlichen Halbgott dabei vernachlässigen? Ich würde sagen: Ein wenig, denn er hat mehr eine Vaterrolle. Außerdem ist er ein selbstverliebter Idiot. Aber trotzdem, wir behalten ihn im Hinterkopf!

Doch warum hat das so lange gedauert, bis die ersten gescheiten Filme rauskamen? Und warum gibt es nicht mehr Filme, in denen Frauen ohne männliche Hilfe klar kommen? Dass es 1937 (Schneewittchen) noch das Klischee der putzenden, hilflosen Frau gab, ist irgendwo nachvollziehbar. Frauen hatten seit gerade mal 20 Jahren das Wahlrecht (in Deutschland) und auch sonst hatte man(n) damals andere Probleme als weibliche Emanzipation.
Aber was ist mit der Gegenwart? Wird es weitere Disneyfilme mit Vorbildfunktion geben? Hoffentlich! (siehe die Serie „Elena von Avalor“, eine junge Latina wird zur Regentin).

Wenn wir unseren Kindern (und auch Jungs gucken Disney) solche Filme (ich meine damit speziell die älteren) zeigen, lernen sie genau das, was ihnen gezeigt wird: Das Mädchen braucht einen Prinzen, Mädchen kann man gewinnen und schwach sind sie ebenfalls.
Oder wer erklärt seinem vier Jährigen Kind die gesellschaftliche Konstruktion von Geschlechterrollen?

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