Digital Hub
Aktuelles Alltag

Digital hub – wie der Fashionfaktor das Business bestimmt

Ein Nachtrag zum Digital Hub Summer Slam 2017.

Durch meine Arbeit bin ich in der vergangenen Woche auf dem Digital Hub am Bonner Bogen gelandet. Dort tummelt sich jedes Jahr aufs Neue das Who-is-Who der Bonner Investoren- und Start-up-Szene. In diesem Artikel führe ich eine kleine Studie zu den verschiedenen Subkulturen durch, die dort zusammen gekommen sind. Wenn auch ihr wissen wollt, wie solch wirtschaftlich einflussreichen Leute gekonnt unterhalten und verköstigt wurden, dann lest jetzt weiter!

Topic of the day: Digital Hub-Vibes

Bei besten Sommerwetter kam die Bonner Upper Class, und solche, die bald dazugehören wollen/werden, auf dem Bonner Bogen zusammen. Grund dafür: Der Digital Hub hat dazu eingeladen sich zu vernetzen. Und das gepaart mit guter Musik und Beiträgen namenhafter Stars der Szene, darunter eine Vertreterin von Facebook und ein auf Medienrecht spezialisierter Rechtsanwalt. Die Bedeutung der Digitalisierung und das Schneckentempo der deutschen Wirtschaft sich daran anzupassen standen bei den Vorträgen im Fokus.

Doch genug der inhaltlichen Einordnung des Events! Denn bei mir stehen die „Individualisten“ im Vordergrund, die diese Plattform auf epische Weise zur Selbstinszenierung genutzt haben! On top gibt es Eindrücke aus einer Welt, die für mich auf menschlicher Ebene so ansprechend ist, wie ein Tagestrip mit drei Vogelspinnen ins Phantasialand – also gar nicht! Aber jetzt erstmal zu den modischen Aspekten.

Kategorie 1 – Upperclass Chic

Weiß ist definitiv die Trendfarbe der „Auffälligen Prolls“, was auch ganz gut zu dieser Subkultur passt. Keine andere Farbe stellt für mich Überfluss und Verschwendung besser dar. Kaum ist eine Verfärbung auf der Kleidung zu sehen, wird sie sofort in den Müll geschmissen und ersetzt. Und jeder von uns weiß, dass es nicht sehr lange dauert, bis Deos ihre Spuren auf unseren weißen Shirts hinterlassen… Daneben ist auch eine große Uhr und natürlich eine hippe Sonnenbrille gefragt.

Es gibt aber auch die „Underdog Prolls“, die viel Geld besitzen, aber es nicht durch auffälliges, sondern schlichtes Design nach außen tragen. Als Beispiel dafür steht die Facebook-Repräsentantin, die ein schlichtes schwarzes Kleid mit garantiert sehr teuren Schuhen trug. Egal wie, es soll aber für jedermann offensichtlich werden, dass sich Geld und Kapital auf diesem Event rumtreibt.

Kategorie 2 – Möchtegern-Styler

Neben den richtig Reichen gab’s auch solche, die sich ausschließlich über ihren Style in diese soziale Klasse einordnen wollten. Bei den „Möchtegern-Stylern“ fielen mir tatsächlich die Männer ins Auge. So viel künstliche Coolness habe ich selten auf einem Fleck erlebt! Wichtig war den meisten Typen eine adäquate Frisur (reichte von Geltolle bis Hipsterzopf), ein helles Hemd (weiß oder hellblau), 7/8 Hosen (häufig hochgekrempelt, da die Fußgelenke sichtbar sein müssen) und feine Schuhe ohne Socken. Dazu wurde häufiger eine Sonnenbrille getragen, und ganz wichtig war das arrogante Lächeln, was den meisten selbstverständlich über die Lippen kam. Natürlich empfand sich jeder als einzigartig und individuell. Aber wenn 50 Leutchen sehr gleich aussehen, hat das für mich mit Individualismus nicht mehr viel zu tun…

Was sehr vielen Menschen wohl abhanden gekommen ist, ist der Aspekt der Authentizität. Wenn ich beispielsweise nach Mailand schaue, laufen dort sehr viele Männer viel auffälliger herum als beim Digital Hub. Dort werden grüne Hosen zu roten Hemden getragen, dazu feine glänzende Lederschuhe und eine blaue Lesebrille. Aber bei denen sieht das nie gekünstelt aus, nicht so zwanghaft. Ich fand es doch sehr interessant, dass weniger die Produkte als eher die Kleidung und das Aussehen der Leute im Mittelpunkt standen.

Getreu dem Motto fake it ‚till you make it dachten sich dort wohl viele: Wenn ich genauso aussehe wie Prolls, kommen diese an meinen Stand und investieren in mein Projekt. Ich bin mir auch sehr sicher, dass diese Strategie bei den meisten funktioniert. Nur frag ich mich dann immer, was sich die Szene davon verspricht. Anstatt neuer Impulse zu bekommen, sucht sie sich offenbar immer nur eine Kopie ihrer selbst – das würde mich persönlich ziemlich schnell langweilen. But I ain’t no business investor!

Kategorie 3 – Verköstigung und Atmosphäre

Natürlich wurden auch auf kulinarischer Ebene Start Ups herangeholt, damit sich ein inhaltlicher roter Faden durch die Organisation des Events zieht. Aber was jetzt so neu an Fritten und Waffeln sein soll, konnte sich mir leider nicht erschließen. Auch Burger sind keine kulinarische Neuerfindung des 21. Jahrhunderts, aber naja vielleicht ist der Preis neu. Für meine Knoblauchfritten habe ich schließlich knapp 5 € hinblättern müssen…

Damit wir uns zwischen den Vorträgen und Rundgängen nicht langweilten, gab’s es auch einen übercoolen DJ, der eine spotify-Liste abspielte, und Kickertische und Sofas und Tischtennisplatten. Leider von allem nur ein bis zwei Ausführungen, sodass sich nicht jeder damit vergnügen konnte. Jedoch zeigt das eine Tendenz der neuen Arbeitswelt auf, die auf die Etablierung von Freizeitaktivitäten in das Arbeitsumfeld setzt.

Ich persönlich halte davon sehr wenig. Denn ohne klare Trennung von Arbeits- und Freizeit habe ich nicht das Gefühl, dass man noch normal leben könnte. In einer ohnehin schon maximal kapitalistischen Gesellschaft muss nicht auch noch die Grenze zwischen diesen beiden elementar grundsätzlichen Welten verwischen.

Fazit 

Auch wenn ich hier viel Kritik an den Menschen vor Ort übe, ist es natürlich eine schöne Gelegenheit für Start Ups mit potentiellen Investoren ins Gespräch zu kommen. Es ist natürlich, eingebettet in chilliger Musik und gutem Essen, viel entspannter Gespräche über Finanzen und Co. zu führen.

Ich finde es aber krass, dass sich an keiner Stelle für soziale Projekte eingesetzt wurde, die man beispielsweise durch die Einnahmen der Getränke hätte unterstützen können. Gerade auf solchen Veranstaltungen tut’s den Anwesenden nicht weh mal einen 5er zu spenden. Aber leider entspricht dieser Tatendrang nicht dem Esprit dieser Szene.

An vielen Stellen wurde nämlich wieder einmal der Kern unserer Gesellschaft deutlich – der gute Kapitalismus steht weiterhin über allem. Ständig war die Rede davon, dass die Umsätze gesteigert werden MÜSSEN, was zum Beispiel durch den Einsatz von Social Media erreicht werden könne. Heutzutage reicht es nicht aus genauso viel wie im Vorjahr zu verdienen, nein – es muss immer mehr werden. Internationaler und größer noch dazu. Aber wo das alles enden soll, darüber machen sich die wenigstens Gedanken… Wobei ich sagen muss, dass einige Start Ups nachhaltige Ideen und Projekte vorgestellt haben. Mitunter ging es darum, wie man verhindern kann, dass Tonnen an guten Lebensmitteln im Mülleimer statt im Bauch landen. Aber wie sollte es anders sein: Natürlich wurde keiner dieser Start Ups ausgezeichnet!

Stattdessen gewann ein Projekt, dass die Besucher einer Veranstaltung mit mehreren Kameras erfasst und durch die Verknüpfung mehrerer Geräte über das ganze Gelände hinweg tracken kann. Das war für mich das gruseligste Projekt überhaupt, da damit Datenschutz und Privatsphäre komplett übergangen werden. Ich weiß zwar nicht, wie ihr euch dabei fühlt. Aber ich finde die Vorstellung gruselig, dass mir jemand auf einem großen Bildschirm dabei zusehen kann, wie ich meine Pommes verdrücke oder übers Gelände spaziere. #WatchDogsLässtGrüßen! Mal sehen, was unsere digitale Zukunft so für uns bereit hält…

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