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„Die Urenkel der Nihilisten.“ – „Spieltrieb“ auf der Werkstattbühne

Was passiert, wenn vom gesellschaftlichen System Abgewandte nicht einmal daran glauben, dass man an nichts glauben kann? Alev und Ada sind die selbsternannten Urenkel der Nihilisten. Auf der Werkstattbühne wird aktuell wieder „Spieltrieb“ nach dem Roman der Bonnerin Juli Zeh, inszeniert von Laura Linnenbaum, aufgeführt. Eine Empfehlung!

von Ricarda Häusler
Foto: © Thilo Beu

Am Ernst-Bloch-Gymnasium in Bonn trifft Ada auf den neuen Schüler Alev. Der vertritt die Ansicht, dass alles, was dem seiner Eigenschaften beraubten Menschen bleibt, der Spieltrieb sei. Nur im Spiel blieben dem Menschen Handlungsalternativen und somit die Wahrung seiner Freiheit. Alev kann Ada davon überzeugen, an einem durchtriebenen Spiel teilzunehmen, in dem es drei Teilnehmer gibt: Alev, Ada und deren Sportlehrer Smutek. Ein Spiel, in dem es nicht nur um Verführung, sondern auch um Macht, Wille, Moral, Freiheit und eigentlich auch Liebe geht, und das in einer tragischen Verstrickung endet.

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Ihre Hauptrollen stellen die Schauspieler Maike Jüttendonk und Manuel Zschunke fantastisch glaubhaft dar. Besonders Maike Jüttendonk kann mit ihrer Verkörperung der speziellen Rolle der Ada glänzen und zieht die Zuschauer, auch durch ihren vollen Körpereinsatz, in ihren Bann.
Laura Linnenbaum gebührt ein großes Lob für ihre Inszenierung, in der sie auch vor Live-Projektionen und Strobolicht nicht zurückschreckt und besonders gelungen mit Licht und Schatten spielt. Für das Bühnenbild und den Handlungsverlauf werden kreative Lösungen gefunden, die sogar für den einen oder anderen Überraschungsmoment sorgen. Die feine, manchmal sarkastische Sprache aus Zehs Roman muss nicht zurückstecken und die ineinandergreifenden Dialoge der insgesamt vier Schauspieler, können zwischendurch auch zum Schmunzeln anregen.

Alles in allem eine moderne, absolut sehenswerte Umsetzung, die besonders Schüler und Studierende anspricht.

Die nächste und vorerst letzte Aufführung von „Spieltrieb“ findet am Samstag, den 20.01.2018 um 20 Uhr statt. Karten gibt es hier:
http://www.theater-bonn.de/spielplan/monatsspielplan/gesamt/event/spieltrieb/vc/Veranstaltung/va/show/

Es lohnt sich!

Tipp:
Die Werkstattbühne befindet sich in der Oper (Rheingasse 1), jedoch befindet sich der Eingang auf der anderen Seite des Gebäudes als der Operneingang. Von dem aus gesehen einfach der Straße entlang am Gebäude vorbeilaufen und dann links.

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