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Aktuelles Alltag

Die Sache mit den guten Vorsätzen

Es ist Anfang 2018 und fast jeder fasst gute Vorsätze für das neue Jahr, eine Tradition, die man auf der ganzen Welt findet: „Ich werde ein besserer Mensch, 2018 wird mein Jahr, ich werde mein Leben völlig umkrempeln, ich höre auf zu rauchen, diesmal nehme ich wirklich ab“. Und ich? Ich bleibe einfach die coole Sau vom letzten Jahr!

Ein Rant von Finja Schmitz

Dieses Jahr lässt sich ein Trend erkennen, finde ich. Es geht um Selbstliebe und Bodylove und Achtsamkeit und sich selbst heilen. Meine Timelines sind voll von Motivations- und Selbstliebe-Postings, es scheint so, als würde jeder auf diesen Zug aufspringen. Eigentlich ja mal ganz nett, nicht die gleiche Leier, nicht dieses: ich höre auf zu rauchen oder ich nehme richtig viel ab. Sondern sich selbst zu lieben und sich mit seinen Problemen und Vorzügen auseinanderzusetzen. Der Ansatz ist richtig und wichtig, das Gewand ist falsch.

Das falsche Gewand

Vorweg: Worum geht es bei Selbstliebe und Achtsamkeit eigentlich? Ganz kurz und knapp fürs Verständnis: Auf sich zu hören, auf die eigene Intuition, den Verstand, das ganz eigene Tempo. Es geht darum, sich zu finden, ganz tief, ganz allein, für sich… (ja, shit just got real).

Nicht auf Krampf, sondern ganz natürlich. Und genau da sitzt für mich die Crux, warum Neujahrsvorsätze in dem Rahmen, in dem sie betrieben werden, absoluter Bullshit sind. Denn es gibt einen Unterschied dazwischen sich Leitbilder zu setzen und einen Weg zu finden dorthin zu kommen und Vorsätze zu fassen, die für dieses Jahr stehen, die unbedingt erfüllt werden sollten, sonst war das Jahr nämlich absolut für die Katz. Ende des Jahres 2017 habe ich oft Memes oder Postings in den sozialen Medien gelesen, die 2017 für obsolet erklären, die einfach nur 2018 herbeisehnen, als ein frischer Start, der alles und noch mehr möglich macht, der mit Zauberhand alles besser macht und man selbst muss quasi nichts mehr dafür tun. 2017 lief nicht so, wie anfangs geplant, also weg damit und nochmal neu. Mit neuen und vielleicht auch ein paar alten Vorsätzen, die nicht umgesetzt wurden, aber es diesmal jetzt wirklich werden, versprochen.

Neues Jahr, neues Ich

Eigentlich ist es doch so, um mich selbst zu lieben, muss ich ein besserer Mensch werden, oder? Und da bleibt alles doch wieder beim Alten. Wenn ich dünner bin oder aufgehört habe zu rauchen oder jetzt wirklich immer pünktlich komme oder dieses Semester richtig durchstarte, dann kann ich mich selbst lieben. Wenn ich in meinem Bullet Journal mein gesamtes Leben für das nächste Jahr durchgeplant habe, weil ich dann alles so schön aus dem Kopf habe, dann bin ich wirklich bei mir.

So einfach, denke ich, ist das leider gar nicht. Das typische wenn ich das, dann das funktioniert hier irgendwie nicht richtig. Was ist denn, wenn ich endlich mein Traumgewicht habe, mich aber immer noch hässlich fühle? Dann war nämlich 2018 auch für die Katz. Ich glaube, wir sollten Neujahrsvorsätze als ein Werkzeug verstehen und nicht als wundersames Alice-im-Wunderland-Küchlein. Ein Werkzeug, das als Motivator dienen kann, die Sachen anzugehen, die wir auf die lange Bank geschoben haben. Dabei geht es richtig ans Eingemachte, an Probleme, an Dankbarkeit, an die eigene Komfortzone. Und im Grunde kann man sich doch auch einfach mal dafür lieben, wie man jetzt schon ist.

Ich fand mich letztes Jahr eigentlich auch schon ganz cool!

 

 

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