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Aktuelles Alltag

Die Mär vom Studium als Nonplusultra

Ich bin im 5. Semester und inzwischen sicher. Weiter studieren ist so ziemlich das Letzte, was ich will. Doch wieso tu ich es überhaupt?

Von Louisa Albrecht

Seit fast fünf Semestern ist die Uni Bonn meine Alma Mater. Ein Ort, an den ich je nach Stundneplan 1-5 Tage die Woche in den letzten zweieinhalb Jahren verbracht habe. Ich war mir ziemlich schnell sicher, dass studieren etwas ist, das einem liegt oder nicht und ich eher zur zweiten Fraktion gehöre.
Ursprünglich wollte ich nicht Politik und Gesellschaft studieren. Und Germanistik im Beifach? Bloß nicht! Meine Fächer sind aber trotzdem ganz cool, keine Frage, die Klausuren und so nerven, aber das kennen wir wohl alle.

Doch ich bin nicht an der Uni, weil ich schon immer diesen wissenschaftlichen Drang in mir verspürt hätte oder gar promovieren wollte. Nein. In der 4. Klasse fanden meine Lehrer mich schlau genug, um aufs Gymnasium zu gehen. Dort bekam ich nie zu hören, dass eine Ausbildung eine respektable Alternative sei. Eine ernstzunehmende. Und da meine Schwester und ich die ersten in der Familie sind, die überhaupt Abitur machen würden, war für mich klar, dass ich das nicht verschwenden darf. (Meinen Eltern wär´s egal gewesen, schätze ich.)
Mit einem Abi eine Ausbildung machen? Das wäre doch totale Verschwendung dachte ich mir gegen Ende meiner Schullaufbahn. Bei Dualem Studium dachte ich vor allem an ALDI und so etwas. Das war für mich eher nichts. Da ich schwerhörig bin und für die einzige Ausbildung, die für mich interessant klang (und die ein Abi erforderte) nicht genommen wurde, klappte es weder mit meinem Studienplan A, noch mit einer Ausbildung und so schaute ich mir die Uni Bonn und Köln an. Auszuziehen kam finanziell nicht in Frage und nein, ich bin nicht Bafög-berechtigt.

Das Ergebnis war relativ ernüchternd und da ich mich zu der Zeit fürs Auswärtige Amt interessierte, entschied ich mich für Politik und Jura im Beifach an der Uni Bonn. Zur Sicherheit hatte ich mich noch für ein Dutzend anderer Sachen beworben – sorry an alle, die am NC gescheitert sind. Jura wurde nach nur 1 Semester als nicht optimale Wahl eingestuft und gegen ein Beifach getauscht, bei dem ich noch eine Sprache lernen könnte (Schwedisch. Sprachen sind immer gut) und trotzdem immer noch in 6 Semestern fertig würde. Ja, die Regelstudienzeit ist mir heilig, ich geb´s zu. Dazu drängt mich niemand, nur ich. Man will den gesellschaftlichen Ansprüchen ja genügen.

Doch warum ein Studium?
Ihr habt doch sicher auch schon mal gehört, dass es die richtig gut bezahlten Jobs nur mit Studium gibt? Oder den Mythos, dass ein studierter Mensch relativ leicht einen Job finden könne, schließlich ist man dann  ja top-qualifiziert. Ich schätze, ihr liegt gerade lachend am Boden. Oder verzieht euren Mundwinkel zu einem müden Lächeln, die Klausurphase erlaubt euch nicht mehr Euphorie. Jedenfalls, wenn ihr so wie ich eine Geistes- oder Sozialwissenschaft studiert. Und nein, nur wegen dem Geld acker ich mich nicht durch etwas, in dem ich schlecht bin, weil es mich überhaupt nicht interessiert.

Tja, gegen Ende meiner Schulzeit war ich noch felsenfest davon überzeugt, ein Studium sei genau der Weg der mir vorherbestimmt sei, quasi nur logisch.
Inzwischen weiß ich, dass das kompletter Blödsinn ist. Ich kenne Leute, den macht studieren echt Spaß, manche von ihnen kann ich mir auch als DoktorandInnen oder so etwas vorstellen. Mich nicht.

Der (mal wieder aufgekommene) Gedanke, einfach abzubrechen wird jetzt vor allem nicht umgesetzt, weil ich eh fast fertig bin. Da ich nie gebummelt habe, werde ich wohl nach 6 Semestern meinen Bachelor haben. Und das bedeutet: Nur noch 1 Hausarbeit abgeben und die BA-Thesis schreiben. Dann bin ich erlöst.
Und solange bewerbe ich mich auf Ausbildungen beim Verlag. Montag habe ich ein Vorstellungsgespräch, ein anderer Verlag hat bereits abgesagt. Im Februar geht es zum Auswahl Verfahren des Auswärtigen Amts. Meinen dritten Plan musste ich wegen meinem Gehör verwerfen.

Ja. Nach meinem Bachelor will ich eine Ausbildung machen. Ist das ein Schritt zurück? Keine Ahnung, aber wenn´s mich glücklicher macht, als ich jetzt bin, sicher nicht.

PS: Dieser Beitrag ist nicht dazu gedacht, euch in eine Sinneskrise oder zu stürzen. Seht es mehr so als. Ihr seid nicht alleine und: Studium ist wirklich nicht das Einzige, was es so gibt, an.

 

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