Chancen der Coronakrise © Pexels
Alltag Medienblick Bonn Studentenleben

Die große Chance der Coronakrise

Überfüllte Bahnen, Großraumbüros und volle Vorlesungssäle – während der Coronakrise sind derartige Menschenansammlungen undenkbar geworden. Um die Ausbreitung des Virus zu unterbinden, ist Social Distancing angesagt und das stellt die Menschen plötzlich vor ganz neue Herausforderungen. Doch die Krise bringt nicht nur Einschränkungen und Unannehmlichkeiten mit sich. Der aktuelle Ausnahmezustand eröffnet auch ganz neue Chancen. So erlebt insbesondere die Digitalisierung einen enormen Aufschwung.

Von Natalie Neunzig

Durch die Pandemie und die damit einhergehenden Sicherheitsmaßnahmen haben die digitalen Vernetzungsmöglichkeiten einen völlig neuen Stellenwert bekommen. Plötzlich sind sie aus keinem Bereich mehr wegzudenken. Selbst kleine Betriebe und Schulen müssen sich innerhalb kürzester Zeit ein Netzwerk aufbauen. Um zu verhindern, dass die Arbeits- und Lernprozesse vollständig eingestellt werden müssen, war daher ein schnelles Umdenken angesagt. Viele mussten sich jetzt gezwungenermaßen mit den technischen Alternativen auseinandersetzen – man kam einfach nicht mehr drumherum. So hat es ein Virus geschafft einen Digitalisierungsschub in ganz Deutschland zu verbreiten.

Da seit Mitte März plötzlich viele von zuhause aus arbeiten müssen, musste stark in den Ausbau der technischen Infrastruktur investiert werden. Das deutsche Netz war von dem rapiden Nutzeransturm spürbar überfordert. Schnell musste gehandelt werden. Corona offenbarte schonungslos, dass die digitale Infrastruktur in Deutschland immer noch stark ausbaufähig ist. Mangelhafte Vernetzung wird aber auch betriebsintern deutlich. Viele Unternehmen sowie Schulen und Universitäten sind nicht ausreichend auf die plötzliche digitale Umstellung vorbereitet. In den ersten Wochen und Monaten der Krise herrschte vielerorts Chaos. Dabei steht eine Ausweitung der Digitalisierung doch bei den meisten Unternehmen schon lange ganz oben auf der Agenda. Doch wäre man diese Mängel in der technischen Infrastruktur und im Netzwerkausbau ohne das Virus überhaupt angegangen? Und wenn ja, wann denn endlich?

Lange standen die Nachteile, die durch die Schutzmaßnahmen entstanden sind im Fokus der Betrachtung. Die positiven Effekte dieses Ausnahmezustands sind einem im ersten Moment gar nicht bewusst. Dabei sind durch den Stillstand in vielen Bereichen Fortschritte entstanden. Das Virus liefert Zeit und Raum für Innovation. Umstellungen und Konzepte die längst überfällig waren, werden endlich umgesetzt. Mit einmal verzeichnen sich in vielen Bereichen rasante Entwicklungen.

Das Sommersemester wird zum Onlinesemester

So mussten auch die Universitäten ihren Betrieb umstellen und sich den gegebenen Umständen anpassen. Digitale Unterrichtsformen und neue Wege der Lehrunterstützung mussten eingeführt werden damit das Sommersemester dieses Jahr überhaupt starten konnte.  So wurden aus vollen Hörsälen volle Zoom-Meetings. Videokonferenzen ersetzen den regulären Unterricht. Und es funktioniert! Die Dozenten setzen ihre Lehrpläne mit viel Kreativität und zahlreichen innovativen Ideen um. Ob via Zoom, in Form von Podcasts oder durch den verstärkten Einsatz des Intranets und einem stetigen E-Mail-Austausch, es finden sich ganz neue Methoden zur Wissensvermittlung.

Die Hörsäle blieben im Sommersemester leer © Pexels - Pixabay
Die Hörsäle blieben im Sommersemester leer © Pexels – Pixabay

Viele Lehrmethoden hätte man im regulären Betrieb vermutlich nie ausprobiert oder gar eingeführt, doch das Coronavirus eröffnet Freiraum für neue und alternative Möglichkeiten. Somit wurde das Sommersemester 2020 auch an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn zum ersten vollständig digitalen Onlinesemester. Letztlich erwiesen sich viele der neuen digitalen Lehrmethoden als eine vielversprechende Ergänzung zum regulären Präsenzunterricht. Deshalb sollen diese auch in Zukunft an vielen Universitäten parallel genutzt werden und somit die Lehre sinnvoll unterstützen.

Homeoffice wird endlich auch in kleineren Betrieben integriert

Aber nicht nur die Universitäten haben durch die Pandemie gelernt viele neue digitale Möglichkeiten für sich zu nutzen, auch die Büros mussten ihre Arbeitsweise grundlegend verändern. Selbst kleine Betriebe haben seit Beginn des Jahres auf Homeoffice umgestellt. Dabei war eine solche Umrüstung in vielen Bereichen zuvor unvorstellbar. Zu groß war die Angst, dass die Arbeit von Zuhause die Produktivität mindern könnte und dass die Distanz sich negativ auf die Arbeit auswirken könnte. Aktuelle Zahlen bestätigen diese Entwicklung. Etwa 39 Prozent der Arbeitnehmer*innen, die in diesem Jahr erstmalig im Homeoffice arbeiten, hatten vor der Corona-Pandemie schlichtweg keine Erlaubnis dazu.

Doch bei vielen Arbeitgebern macht sich nun ein Wandel in der Einstellung bemerkbar. Es wurde schnell deutlich, dass viele Ängste im Bezug auf die Integration der Arbeit von Zuhause aus unbegründet waren. Die größte Herausforderung im Homeoffice war es stattdessen für eine Vielzahl an Personen, den privaten mit dem beruflichen Alltag zu vereinbaren. Schließlich mussten zu Beginn der Pandemie viele Mitarbeiter*innen neben der Arbeit auch ihre Kinder zuhause betreuen. Doch auch für Ausnahmezustände dieser Art wurden kreative Lösungen gefunden. Mittlerweile konnten die Kindertagesstätten wieder öffnen und die Arbeit mit Social Distancing wird vielerorts zur neuen Normalität.

Letztendlich können sich derzeit viele Unternehmen vorstellen, die Möglichkeit auf Homeoffice fest zu etablieren. Ziel ist es, mehr Flexibilität in den Arbeitsalltag zu integrieren. Ein kontaktloses Miteinander hat sich darüber hinaus auch bei geschäftlichen Meetings bewährt. 31 Prozent der deutschen Arbeitnehmer*innen wünschen sich demnach für die Zukunft weniger Dienstreisen. Das Telefon sowie die Videokonferenzen haben durch die Corona-Pandemie stark an Bedeutung gewonnen. Endlich schaffen Arbeitgeber die nötige technische Infrastruktur für ihre Mitarbeiter*innen. Durch die Digitalisierung eröffnen sich neue Arbeitsmöglichkeiten, weshalb anzunehmen ist, dass nach der Corona-Pandemie Bedarf und Bereitschaft der Arbeitnehmer*innen höher ausfallen werden.

Die Umwelt kann zumindest für einen kurzen Moment aufatmen

Dadurch dass die Anfahrt zur Arbeit oder zur Universität wegfällt und lange Geschäftsreisen eingespart werden, haben die Menschen diesen Sommer nicht nur mehr Freizeit, auch die Umwelt profitiert. Denn durch den entfallenen Verkehr, fallen auch die Emissionen. Schon nach kurzer Zeit tauchen im Internet vermehrt Bilder von sauberen Gewässern auf und auch die Luftqualität soll sich erheblich verbessert haben. Insbesondere in den Großstädten ist die positive Entwicklung deutlich spürbar. Durch die eingeschränkte Produktion von Gütern, sowie die verhangene Ausgangs- und Reisesperre sinken die Schadstoffemissionen. Der Stillstand durch das Virus wirkt sich positiv auf die Natur und das Klima aus. Zwar sind für langfristige Erfolge in der Klimakrise auch langfristige Maßnahmen notwendig, aber die Auswirkungen der Pandemie beeinflussen darüber hinaus auch spürbar das Bewusstsein der Menschen.

Corona hatte positive Auswirkungen auf Umwelt und Klima © Pexels - Tom Swinnen
Corona hatte positive Auswirkungen auf Umwelt und Klima © Pexels – Tom Swinnen

Die Einschränkungen der Pandemie regen viele Deutsche an, über ihren ökologischen Fußabdruck nachzudenken. Ein Verlangen nach mehr Regionalität und Nachhaltigkeit macht sich in der Gesellschaft breit. Darüber hinaus werden durch Corona immer mehr Notstände in die Medien und so auch an die Öffentlichkeit gebracht. Von regionalen Ernteproblemen bis hin zu Veröffentlichungen der ungeheuerlichen Zustände in Fleischereigroßbetrieben. Wie durch einen Weckruf, wird das Interesse der Bevölkerung hin zu mehr Nachhaltigkeit geweckt.

Das geänderte Konsumverhalten, sowie weniger Berufspendeln und die eingesparten Geschäftsreisen werden von vielen als positiv wahrgenommen. Dazu kommt, dass durch den eingeschränkten Reiseverkehr, auch der Urlaub im eigenen Land wieder neu entdeckt wurde. Eine erfreuliche Entwicklung, die hoffentlich auch dann beständig ist, wenn das Coronavirus überwunden wurde.

Mit Corona hat sich nicht nur ein Virus, sondern auch die Digitalisierung in Deutschland ausgebreitet. Arbeitnehmer*innen, Studierende und sogar Schüler*innen sind auf einmal elektronisch und virtuell miteinander verknüpft. Auf Abstand aber dennoch gemeinsam arbeiten. Eine Arbeitsweise, die lange Zeit in vielen Bereichen undenkbar war, schafft es sich nahezu überall zu etablieren. Videokonferenzen gewinnen an Bedeutung, während lange Anfahrten und Geschäftsreisen in Zukunft vermutlich einmal mehr überdacht werden. Eine rasante Entwicklung hin zu mehr Flexibilität, Nachhaltigkeit und digitaler Verknüpfung breitet sich in der gesamten Gesellschaft aus. Wie man die innovativen Ideen und neuen Methoden zukünftig integrieren wird, wird sich in den kommenden Jahren noch zeigen. Aber durch die Krise wurde die Digitalisierung ein bedeutendes Stück vorangetrieben.

 

Beitragsbild: Pexels

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.