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Aktuelles Kultur

Der Medienblick empfiehlt: Bücher für den Winter

Es bleibt dunkel und regnerisch – auf Schnee ist noch zu warten. Vielleicht findet sich ja welcher in Bücherwelten? Tauche doch mit uns in diese hinein.

 

Von Nadja, Lisa und Greta

Cornelia Funke: Hinter verzauberten Fenstern

Wenn man an Bücher für die Weihnachtszeit denkt, fallen einem meist Kinderbücher ein – warum also nicht nochmal ein solches in die Hand nehmen?

mdeHinter verzauberten Fenstern erzählt die Geschichte eines Mädchen namens Julia, welche, während ihr Bruder einen Schoko-Adventskalender bekommen hat, sich mit einem Adventskalender aus Papier und Bildern zufrieden geben soll. Sie ist enttäuscht. Doch das auf dem Kalender abgebildete Haus glitzert so geheimnisvoll, dass sie das erste Fenster einfach öffnen muss. Was sich dabei offenbart? Ein langweiliger Dachboden voller Gerümpel. Aber es dauert nicht lange, bis sie bemerkt, dass ihr Kalender irgendwie besonders ist – denn er verbirgt seine eigene Welt und es dauert nicht lange, bis Julia sich mit dem verrücktem Bewohner ihres Adventkalenderhauses anfreundet. Mit Elfen, Heinzelmännern und Riesen stolpert sie über ein Geheimnis nach dem anderen…

Mit jeder Seite eröffnet sich eine neue Welt, wie es sich für einen Adventskalender gehört. Diese wunderbare, liebevolle und nostalgische Geschichte habe ich das erste Mal in der Grundschule gelesen und gehört für mich einfach zur Weihnachtszeit dazu. Denn man muss schließlich kein Kind sein, um sich noch einmal wie eines zu fühlen.

Casey McQuiston – Red, White & Royal Blue

Processed with MOLDIVRed, White & Royal Blue (dt. Titel Royal Blue)  ist die fiktive Erzählung von Alex Claremont-Diaz, des Sohns der Präsidentin der Vereinigten Staaten. Alex ist jung und charmant und genießt ein gutes Ansehen in Amerika, mit anderen Worten: er ist der Liebling der Nation. Er ist das amerikanische Äquivalent von Prinz Henry, dem britischen Thronfolger. Henry und Alex hassen einander seit einem für beide unvergesslichen Vorfall. Bei einem Staatsbesuch in England bekommen die beiden zu spät mit, dass sie fotografiert werden und Gerüchte von ihrem Hass zueinander beginnen zu kursieren. Dies ist ein diplomatisches Fauxpas für Amerika und Großbritannien und so werden die beiden jungen Männer gedrängt, ihre Freundschaft vor den Augen der Medien vorzutäuschen. Dadurch verbringen die beiden mehr Zeit denn je miteinander und lernen, einander zu verstehen. Es dauert nicht lange, bis Alex und Henry eine geheime Liebesbeziehung miteinander beginnen. Zeitgleich kämpft Alex Mutter um die Wiederwahl zur Präsidentin.

Dieses Buch ist purer Eskapismus. Henry und Alex Welt ist fast identisch zu unserer, nur in dieser regiert Amerikas erste (dekomratische) Präsidentin in Amerika. Henry und Alex Romanze hat märchenhafte Züge und es macht total Spaß, den beiden dabei zuzuschauen, wie sie sich ineinander verlieben. Doch auch ernste Themen finden in dem Buch Platz, da McQuiston es versteht, humoristische Szenen mit Themen wie identität, Familie und Verantwortung zu verbinden. Denn wie die Tagline des Buches sagt: Liebe ist nicht immer diplomatisch.

Silvia Bovenschen: Lug & Trug & Rat & Streben 

Silvia Bovenschen selber sagte über ihren 2018 posthum erschienen Roman: „Ich liebe mein Buch, aber ich

Bildquelle: http://schreiblust-leselust.de/silvia-bovenschen-lug-und-trug-und-rat-und-streben
Bildquelle: http://schreiblust-leselust.de/silvia-bovenschen-lug-und-trug-und-rat-und-streben

kann es nicht empfehlen“. Sie habe sich alles erlaubt. Also übernehmen das Empfehlen nun andere für sie.

In einer alten Villa wohnen in drei Stockwerken drei Menschen: Schwager Bärentrost, der seine Zeit damit verbringt alle möglichen Wahrheiten in ein dickes Buch zu schreiben, lebt mit seiner Haushälterin im Souterrain. Agnes, die bei dem Gedanken an jede Form von Verbindlichkeit Kopfschmerzen kriegt, wohnt im Erdgeschoss, und im ersten Stock lebt ihre Tante Alma, deren Mann verschollen ist, zwischen allerlei altem Gerümpel. Zu Besuch kommt Agnes Neffe Max und dann auch noch Mr. Odino, ein Mann aus Almas Vergangenheit, der in eine winzige Dachkammer zieht. Draußen vor der Tür wird demonstriert (wogegen oder wofür ist nicht wichtig), drinnen werden alte Bücher aus dem Mittelhochdeutschen übersetzt (eigentlich auch nicht so wichtig) und über vieles nachgedacht und diskutiert (sehr wichtig, vermutlich).  Schließlich begeben sich alle auf eine Reise nach Mispelheim, eine Art Märchenstadt für Misanthropen und Dystopiker.

Man merkt schnell, hier geht es nicht um eine Handlung, die von Punkt A zu Punkt B führt. Der Weg ist das Ziel, wie es so schön heißt. Bovenschen war eher Philosophin und Wissenschaftlerin als Literatin. Sie stellt viele Fragen, wirft vieles auf, überlegt, deklamiert und spielt – denn vor allem merkt man den Spaß, den die Geschichte an ihrer eigenen Sprache hat. Natürlich darf ein wenig Zeitkritik nicht fehlen, ebenso wie der für die Autorin typische beißende Humor.

Ein Buch für die, die Freude am Absurden ebenso wie am Grübeln und Philosophieren haben.

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