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Aktuelles Alltag Frauenfrage - Kolumne Gesellschaft

DAS IST MEIN JUNGE !

An was denken wir, wenn wir diesen Satz hören?
Vielleicht an einen erwachsenen Mann, der so von seiner Partnerin ihren Freunden vorgestellt wird? Oder doch eher an einen zehnjährigen Knaben, der noch nicht einmal die Pubertät erreicht hat?
Wahlweise denken wir auch daran, wie wir unseren Hund loben.
Woran aber denken wir, wenn  jemand mit den Worten vorgestellt wird: „Das ist mein Mädchen.“ Durchaus auch mal an erwachsene Frauen, oder?
Wann ist es zu diesem Missverhältnis gekommen, das eine stetige Verniedlichung von Frauen in der Gesellschaft akzeptabel gemacht hat?

„Frauenfrage“ eine Kolumne von Louisa Albrecht

In ihrem Video „Girl“ vs. „Woman“: Why Language Matters, spricht Mayim Bialik (Schauspielerin der Amy Farrah Fowler aus Big Bang Theory, im echten Leben übrigens Neurowissenschaftlerin) über die Bedeutung des verniedlichen Sprachgebrauchs.
Dadurch, dass Frauen als Mädchen bezeichnet werden, signalisiert der Sprecher, dass er die betreffende Frau nicht für voll nimmt und somit nicht als gleichwertig ansieht.
Schlimm genug ist es, meiner Meinung nach, dass Männer das tun. Schlimmer allerdings, dass auch Frauen sich und andere Frauen als Mädchen / Mädels bezeichnen.

Wäre es wirklich so umständlich und schwierig, erwachsene Frauen einfach als Frauen zu bezeichnen?
Ich denke nicht.
Würde es etwas bringen?
Sicherlich! Wenngleich wir jetzt sagen könnten, dass das nun mal der Sprachgebrauch sei und Frauen ja nicht wirklich „kleiner“ gemacht werden sollen, als sie sind, tun wir es eben doch. Sprache ist ein mächtiges Instrument und selbst wenn wir etwas nicht bewusst tun, so nehmen wir bestimmte Einstellungen zumindest unterbewusst ein und die wiederum führen zu einer stetigen Diskriminierung.

Wer will, könnte man jetzt argumentieren: Es werden durchaus Männer als Jungs bezeichnet, zum Beispiel beim Fußball (die deutsche Nationalmannschaft wird oft auch mit „unsere Jungs“ bezeichnet) oder in der Popkultur bei Gruppen wie den Beasty Boys. Nichtsdestotrotz ist es im Alltag ein weitaus selteneres Phänomen, dass Männer derart verniedlicht werden. Und ehrlich gesagt, klingt es immer noch stärker als Mädchen, weil Jungen generell als stärker gelten. So ergeht es zumindest mir.
Ich könnte an dieser Stelle noch eine Debatte um die noch immer nicht ganz verschwundene Anrede „Fräulein“ anfangen, doch das möchte ich mir (erst einmal sparen) und zum Schluss folgenden Appell an euch richten: Bezeichnet erwachsene Menschen, egal ob Männer oder Frauen nicht als Jungs und Mädels! Das ist schlichtweg respektlos.

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