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Aktuelles Alltag Frauenfrage - Kolumne Gesellschaft

Das Große Tabu der Tage

Es ist natürlich, passiert der Hälfte der Bevölkerung jeden Monat und wird dennoch wie eine Krankheit oder dergleichen behandelt. Die Periode.

„Frauenfrage“, eine Kolumne von Louisa Albrecht

Überall hört man von Body Positivity – liebe dich selber, liebe deinen Körper, doch der Körper einer Frau tut eine Sache, die scheinbar inakzeptabel ist: bluten.
Frauen tun das weder aus Spaß (Kotzen vor Schmerzen ist sehr lustig, liebe Männer), oder um Aufmerksamkeit zu kriegen oder so, sondern weil sie einen weiteren Monat lang nicht schwanger geworden sind. Ob natürlich oder Abbruchblutung (bei Einnahme der Pille wird der natürliche Zyklus schließlich unterdrückt), sie ist da. Selbst wenn frau sich für eine Langzeitpille entscheidet und so nur 1-4 Mal im Jahr ihre „Tage“ hat… es ist quasi unumgänglich.
Doch wenn es so natürlich ist (Sex gilt als die natürlichste Sache der Welt. Sex führt zu Kindern. Frauen gebären Kinder oder eben auch mal nicht. Also alles soweit natürlich), warum ist es sooo peinlich, wenn ein Tampon aus der Handtasche fällt? Warum kriegen junge Mädchen regelrechte Angstzustände, jemand könnte sehen, dass sie ihre Tage haben? Warum gilt das Ganze als so ekelhaft?
Die meisten Mädchen, die ich kenne, verstecken ihre Tage. Bloß nicht auffallen. Bloß nicht jemanden wissen lassen, was passiert.
Schuld daran sind… merkwürdige Mythen würde ich mal behaupten. In manchen Ländern dürfen Frauen nicht das Haus betreten, wenn sie ihre Tage haben oder werden anderweitig vom sozialen Leben ausgeschlossen. Hier in Deutschland muss sich eine Frau „nur“ dumme Sprüche anhören. Schlecht drauf? Hat ihre Tage. Pickelige Haut? Vielleicht hat sie ja gerade ihre Tage. Macht nicht bei Sport mit? Hat ihre Tage (ich habe zweimal in meinem Leben bei Sport nicht mitgemacht, trotz Anwesenheit- und das lag daran, dass ich hammermäßig erkältet war.)

Abgesehen davon wird in der Werbung so gut wie (noch) nie gezeigt, dass es ätzend sein kann. Dass Frauen sich keine weiße Unterwäsche anziehen und fröhlich über weiße Betten hüpfen. (Kleine Zwischenfrage: 1. Welche Frau zieht bitte weiße Unterwäsche während ihrer Periode an? 2. Wieso wird in Tamponwerbung nie gezeigt, wie Frauen niesen? Ihr wisst, was ich meine 😉 ) Und bewahre mir einer die Männer vor dem grausamen Anblick superauthentischer blauer Flüssigkeiten, die in Binden gegossen werden. Hygieneartikelwerbung- Iiiiih.

Ganz ehrlich. Mich nervt das. Uns zwar tierisch!
Es nervt mich, dass man mir einredet, ich müsste mich vor mir ekeln. Es nervt mich, dass mir selbst von Männern, die ich sehr gut kenne und die mich sehr gut kennen, Klischees um die Ohren gehauen werden und sie mir das Gefühl vermitteln, dass das, was da in mir vorgeht voll eklig ist.
Klar, es gibt Leute, die können kein Blut sehen. Aber um die geht es hier gerade nicht.
Es geht darum, dass dieses Frauenzeug und diese Mädchenprobleme stigmatisiert werden und dazu führen, dass sich die Hälfte der Menschen einmal im Monat noch schlechter vorkommt, als sie es aufgrund von Schmerzen eh schon tut. Und manchmal sogar noch in der restlichen Zeit des Monats wegen dummer Sprüche. Tolle Leistung. Echt.
(Nur so nebenbei- das wurde bei mir erfolgreich geschafft und ich bin selber noch auf dem Weg, das – mich- ganz zu akzeptieren… traurig genug, dass ich es erst „akzeptieren“ muss.)

Aber das Problem ist: Nicht nur Männer tragen zur Erhaltung des Tabus bei, sondern auch Frauen. Denn ehrlich gesagt, es gibt schon schöneres als den Anblick des Blutes und Angenehmeres als die Periode zu haben. Aber sie wird weiter da sein. Und wir sollten das akzeptieren. Und die Menschen, die von ihr „betroffen „sind (erwähnte ich nicht, dass man oft von der Monatsblutung wie von einer Krankheit spricht?).

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