Paul Weber bei einem Konzert © Marlene Ritz
Aktuelles Alltag Interviews Kultur Musik

Corona und die Musikbranche – Ein Interview mit dem Kölner Musiker Paul Weber

Abgesagte Konzerte und Festivals, geschlossene Clubs: Die Corona-Pandemie hat die Musik- und Veranstaltungsbranche gewaltig getroffen. In einem Interview mit dem Kölner Musiker Paul Weber erfahren wir mehr über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Musik- und Eventbranche. Darüber hinaus erzählt er uns, wie eine Band auch schwierigen Zeiten meistern kann.

von Marlene Ritz

Seit dem 15. April 2020 gelten die Veranstaltungsverbote der Bundesregierung. Nahezu alle Konzerte, Festivals und weitere kulturelle Veranstaltungen mussten bis zum 31. August 2020 abgesagt werden. Diese Frist wurde bis Ende Oktober für alle Großveranstaltungen verlängert. Das kulturelle Leben wurde aufgrund der Corona-Pandemie für mehrere Monate stillgelegt. Musikschaffende unterlagen einem Berufsverbot. Dies stellte die Musik- und Eventbranche vor enorme Herausforderungen. Obwohl derzeit kleinere Veranstaltungen unter strikten Corona-Auflagen und unter freiem Himmel wieder erlaubt sind, lohnt es sich nicht für jeden Veranstalter die Türen wieder zu öffnen. Zudem gelten in verschiedenen Ländern teilweise unterschiedliche Regelungen, die das Koordinieren von Auftritten erschweren.

In einem Interview mit dem talentierten Kölner Musiker Paul Weber erfahren wir, in welcher Situation sich Musikschaffende in Zeiten von Corona befinden und wie sie damit umgehen.

 

Was waren eure Pläne als Band für 2020? Welche Wünsche und Ziele hattet ihr?

Ich hatte gemeinsam mit meiner Band und der Künstlerin MELE im März/April eine Doppeltour durch ganz Deutschland geplant, die leider auf Grund von Corona teils ausfallen, teils verschoben werden musste. Ich hoffe, dass die neuen Termine im Dezember stattfinden können, allerdings ist das noch komplett ungewiss. Darüber hinaus sind auch kaum andere Konzerte möglich. Im Herbst hätte ich gerne ein paar Support-Touren gespielt. Die Veröffentlichung neuer Musik musste auch erst einmal verschoben werden, da das Budget fehlt.

Paul Weber ist Singer/Songwriter seiner gleichnamigen Band. Seinen Musikstil beschreibt er als „poetischen Pop mit Indienote und Tiefgang“.

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf euch Musiker ausgewirkt? Was waren eure Ängste und Sorgen?

Das Live-Geschäft ist komplett eingebrochen und das auf unbestimmte Zeit. Für mich und viele andere Musiker*innen ist das ein elementarer finanzieller Baustein, ohne den es sehr schwierig wird von der Musik leben zu können. Daher gibt es viele Sorgen, da auch niemand weiß, wann und wie es mit Konzerten weitergehen kann. Die gesamte Kunstszene kämpft um’s Überleben! Ich hoffe trotzdem, dass diese Krise überwunden werden kann und es irgendwann wieder weiter gehen kann.

Verändert die Corona-Zeit euch auch als Band?

Natürlich hat die Pandemie, vor allem an Anfang, sehr viel verändert. Wir mussten unsere Tour aus dem Proberaum, am Abend bevor die Tour starten sollte, absagen. Das war sehr hart und in dem Moment auch nicht wirklich zu fassen. Danach haben wir uns einige Zeit nicht gesehen. Allerdings immer wieder telefoniert oder geskypt. Mittlerweile ist wieder mehr eine Normalität zurück, da die Pandemie ja im Alltag angekommen ist. Allerdings sehen wir uns seltener, da wir in verschiedenen Städten leben und wir uns nur zur Arbeit an neuen Songs und nicht zur Vorbereitung auf Konzerte uns treffen.

Habt ihr nach Alternativen gesucht, damit ihr trotzdem Musik spielen könnt? Falls ja, auf welcher Plattform und wie lief das ab? Was ist dabei gut oder nicht so gut gelaufen?

Ich habe ein Streaming-Konzert bei „Dringeblieben“ gespielt, was sehr neu, aber in der Corona-Anfangszeit auch spannend war. In der Situation eine Möglichkeit zu haben, mit seinem Publikum in Kontakt zu kommen ist toll, allerdings vermisse ich die direkte Reaktion der Menschen bei Konzerten.

Ab wann waren Live-Auftritte wieder möglich und unter welchen Auflagen? Wie war das für euch?

Wir haben ein Angebot vom Stadtgarten erhalten, im Juli ein Open-Air-Konzert zu spielen. Das Publikum saß an Tischen und mit genügend Abstand. Wieder vor Publikum zu spielen war ein Lichtblick.

Paul Weber ist Singer/Songwriter seiner gleichnamigen Band. Seinen Musikstil beschreibt er als „poetischen Pop mit Indienote und Tiefgang“ © Marlene Ritz
Paul Weber ist Singer/Songwriter seiner gleichnamigen Band. Seinen Musikstil beschreibt er als „poetischen Pop mit Indienote und Tiefgang“ © Marlene Ritz

Wie war die Gemeinschaft unter den Künstlern? Hat man sich gegenseitig mental unterstützt?

Ja schon, ich bin im stetigen Austausch mit anderen Künstler*innen und da haben wir vieles geteilt.

Gab es finanzielle Hilfen vom Staat? Welche Unterstützung wäre noch sinnvoll gewesen?

Vom Staat gab es die Corona-Soforthilfe, in NRW war der Antrag übersichtlich, allerdings musste ich lange auf das Geld warten. Ein zentraler Kritikpunkt ist, dass Künstlerinnen keinerlei Privatkosten von der Fördersumme abrechnen können. Ein Großteil arbeitet aber zuhause und benötigt genau dort Unterstützung. Daher ist die Corona-Soforthilfe nur eine sehr kleine Hilfe.

Gab es einen besonderen Moment in der Corona-Zeit, der dir/euch die Kraft gegeben hat, auch in schweren Zeiten mit der Musik immer weiter zu machen?

Mich hat der Gedanke, dass es irgendwann weiter gehen wird, und dass man Geduld haben muss, über die erste Zeit getragen. Schön zu sehen war, dass sich immer wieder Menschen gemeldet haben und mir gut zugesprochen haben.

Ich glaube, dass viele Menschen gemerkt haben, was ein Leben ohne Kultur bedeutet. Ich hoffe, dass wir das nicht vergessen. Die Kultur braucht Unterstützung um über diese Krise zu kommen.

Was sind eure Pläne und Wünsche für die nächste Zeit?

Ich möchte wieder Musik veröffentlichen. Das ist mein Ziel!

Vielen Dank für das Interview und die interessanten Einblicke! Alles Gute für die nächste Zeit!

 

Quellen:

https://kulturnews.de/corona-wann-gibt-es-wieder-konzerte/Stand: 21.08.2020

https://www.mdr.de/kultur/themen/corona-musik-branche-wirtschaft-100.htmlStand: 21.08.2020

https://www.br.de/kultur/musikbranche-corona-100.htmlStand: 21.08.2020

https://www.welt.de/kultur/plus208023555/Corona-und-die-Musikbranche-Es-herrscht-quasi-Berufsverbot.htmlStand: 21.08.2020

https://www.vut.de/vut/aktuelles-vut/artikel/details/coronavirus-wichtige-informationen-fuer-vut-musikunternehmerinnen/Stand: 21.08.2020

https://www.musikindustrie.de/der-bvmi/uebersicht-ueber-corona-hilfsprogrammeStand: 21.08.2020

https://www.rockszene.de/news/4760-wann-eine-veranstaltung-eine-grossveranstaltung-ist-zum-beschluss-des-verbots-bis-mindestens-31-august.htmlStand: 24.08.2020

https://www.mdr.de/kultur/absage-corona-was-sind-grossveranstaltung-100.htmlStand: 21.08.2020

https://www.mdr.de/kultur/absage-corona-was-sind-grossveranstaltung-100.htmlStand: 21.08.2020

https://www.paulwebermusic.comStand: 24.08.2020

https://www.instagram.com/paulwebermusic/?hl=deStand: 24.08.2020

 

Beitragsbild: Marlene Ritz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.