Uni Bonn © Alexandra Schmalnauer
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Corona legt ein ganzes Semester lahm

Im März 2020 fiel bei den meisten Universitäten in Deutschland ein schwerwiegender Entschluss: Das Sommersemester muss aufgrund der Coronakrise online stattfinden. Veranstaltungen vor Ort kann es vorerst nicht geben. Doch wie geht es Studierenden und Dozenten mit dieser Entscheidung? Ich habe nachgefragt.

von Clarissa Kurth

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Seit April diesen Jahres ist Studieren von zuhause aus angesagt. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte das Sommersemester nicht wie geplant stattfinden und musste kurzfristig umgestellt werden. Online statt Präsenz-Uni. Kurzfristige Umstellungen der Angebote, Bereitstellungen von Online-Diensten für die Lehrveranstaltungen und Hereinspringen ins kalte Wasser. Niemand wusste zu Beginn des Semesters, wie es so laufen wird – online, nicht physisch, allein zuhause. Aber sowohl die Universitäten als auch die Studierenden haben sich ins Zeug gelegt und einiges in Kauf genommen, damit so etwas wie Normalität in den Universitätsbetrieb einkehren kann. Inzwischen sind Zoom-Meetings „normal“ geworden und plötzlich möchte jeder Podcasts machen.

Larissa Ratschkowski © Clarissa Kurth
Larissa Ratschkowski © Clarissa Kurth

Digital haben einige Universitäten in Deutschland schon jetzt dazugelernt. So auch die Universität in Bonn. eCampus wurde aufgerüstet und viele alternative Lehrmethoden sind in die Haushalte der Studierenden und Dozenten eingezogen. Doch wie geht es den Beteiligten damit? Ich habe mich mit einer Studentin und einem Dozenten der Universität Bonn unterhalten und wollte wissen, wie das Online-Semester so ankommt.

Larissa Ratschkowski studiert Englisch und Politik im Bachelor an der Uni in Bonn. Das Sommersemester 2020 ist ihr sechstes und auch letztes Semester. Normalerweise pendelt die 22-Jährige jeden Tag mit der Bahn von Ahrweiler nach Bonn – das fällt jetzt weg. Im Face-to-face-Interview auf Abstand Ende Mai hat sie mir berichtet, wie es ihr im studentischen Homeoffice ergeht und mit welchen Herausforderungen sie zu kämpfen hat.

Neben Larissa habe ich auch Sascha Simons Anfang Juni via Zoom interviewt. Er ist Postdoc an der Uni in Bonn und unterrichtet in der Abteilung für Medienwissenschaft. Neben seiner Arbeit als Dozent muss er zusammen mit seiner Lebensgefährtin während der Kita- und Schulschließungen seine drei Kinder betreuen und Homeschooling machen. Eine große Herausforderung, Privates und Berufliches unter einen Hut zu bekommen.

Dazu kam dann vor Beginn des Semesters noch die komplette Umstellung der Seminarpläne, da die Entscheidung, dass das Semester im Online-Modus starten soll, für alle Beteiligten ziemlich unerwartet und kurzfristig kam.

„Da können wir das, was wir uns für einen normalen Seminarbetrieb vorgenommen haben, 1:1 übersetzen und das Gleiche jetzt zum Beispiel in Videokonferenzdiensten unterrichten“, so Simons.

Sascha Simons ©Brinkhoff-Mögenburg/Leuphana
Sascha Simons ©Brinkhoff-Mögenburg/Leuphana

„Und das schlimmste daran war eigentlich, nicht zu wissen, wie es weitergeht…“

Bei Larissa gab es ganz andere Herausforderungen vor Semesterbeginn. Bei ihr war die größte Hürde, „dass ich meine Hausarbeiten aus dem letzten Semester in den Semesterferien geschrieben habe, die ich praktikumsbedingt nicht am Anfang der Ferien, sondern erst am Ende der Ferien schreiben konnte, wo aber schon die Bibliothek geschlossen wurde. Und das Schlimmste daran war eigentlich, nicht zu wissen, wann es weitergeht und dass es auch erstmal relativ lange gedauert hat, bis die Verlängerungsfristen rausgekommen sind.“ Inzwischen ist zwar die ULB wieder geöffnet, die benötigte Bibliothek im Institut allerdings leider nicht (Stand: 25. Mai).

Im privaten Umfeld zu lernen und zu arbeiten – daran mussten sich sicherlich viele Studierende und auch Dozierende erst einmal gewöhnen. Kinderbetreuung und Arbeit ist sicherlich genauso herausfordernd wie die Struktur des Tages und das Finden einer Routine von zuhause aus. Auch Larissa ist es schwergefallen, ihren Unialltag neu zu strukturieren. Dabei war eines besonders frustrierend:

„Gleichzeitig ist es schwierig, die Leute zu erreichen. Ans Telefon geht niemand, wenn man Fragen hat […]. Und E-Mails sind so der einzige Weg, den man nutzen kann und wenn halt nicht geantwortet wird, steht man etwas blöd da.“

ULB Bonn © Alexandra Schmalnauer
ULB Bonn © Alexandra Schmalnauer

Uni ist mehr als ein Ort zum Lernen – Uni als Gemeinschaft

Doch nicht nur den Studierenden fehlt der persönliche Austausch in der Universität – auch die Dozierende vermissen die gemeinschaftlichen Diskussionen in den Seminarräumen und Hörsälen.

„Ich finde, dass Uni auch mehr ist als ein Ort, an dem man lernt oder man nachher ein Zertifikat ausgehändigt bekommt. Für mich ist das eine Gemeinschaft und auch ein Ort des intellektuellen Zwiegesprächs, ein Ort der durchaus auch politischen Bewusstwerdung. […] Mir fehlt das alles sehr und ich habe auch den Eindruck, dass das vielen meiner Studierenden sehr fehlt, der persönliche Austausch und die rege Diskussion“, so Sascha Simons im Interview.

Neben einigen Nachteilen und Herausforderungen gibt es doch bestimmt auch ein paar Vorteile eines Online-Semesters, von denen sowohl die Studierenden als auch Dozierenden profitieren konnten, oder? Denn wie heißt es so schön: Man muss schließlich das Beste aus der Situation machen.

Für Sascha Simons liegt ein großer Vorteil in den Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung:

„Der Vorteil ist, dass mich das Online-Semester mich jetzt schon noch einmal gezwungen hat, mich stärker mit den Möglichkeiten von digitaler Lehrunterstützung auseinanderzusetzen und davon werde ich vermutlich auch einiges nutzen, wenn wir dann hoffentlich in einen Normalbetrieb zurückkehren können. Dazu zähle ich gerade weniger das Unterrichten per Videokonferenz, sondern Möglichkeiten asynchroner Lektüre, weil man hier ein bisschen stärker die Möglichkeit hat, nochmal auf vermeintlich bereits abgeschlossene Themen zurückzukommen. Einfach, in dem sich zum Beispiel in Onlineforen Studierende nochmal zu einem Thema von vor drei Wochen äußern und ich das automatisch sehe, weil ich das angezeigt bekomme. Das ist bislang noch nicht so sehr genutzt worden, aber da sehe ich bei der Planung, dass man immer alles schriftlich präsent hat und dadurch der rote Faden eines Seminars noch stärker hervortreten kann, als das vielleicht in einem rein mündlich und durch Präsenz geprägten Seminar der Fall wäre.“

Im Interview mit Larissa fiel die Antwort auf die Frage etwas kompakter aus. Für die Studentin bestand ein Vorteil darin, nicht jeden Tag mit der Bahn pendeln zu müssen, zumal es allein bei einer knapp 40-minütigen Fahrt schon zu einigen Problemen und Verspätungen kommen kann.

„Es ist halt schön, dass es die Möglichkeit gibt, von zuhause aus zu studieren.“

Wünsche für zukünftige Semester

Auch für die zukünftigen Semester sehen sowohl Larissa als auch Sascha Simons einige Dinge, die aufgrund von Corona dauerhaft geändert werden können und sollten. Zum einen wünschen sich natürlich beide, dass die Uni ab dem Wintersemester wieder in normalem Präsenzbetrieb stattfindet. Dieser Wunsch kann vielleicht sogar in Erfüllung gehen, denn am 19. Juni hat die Uni Bonn bekannt gegeben, dass das ab dem nächsten Semester wieder einige Kurse im Präsenzbetrieb stattfinden sollen und nur wenig Online stattfinden soll.

Universität Bonn © Alexandra Schmalnauer
Universität Bonn © Alexandra Schmalnauer

Genau das hat sich auch Larissa für ihr weiteres Studierendenleben gewünscht:

„Ich fände es super, generell für die Zukunft, dass man von zuhause aus mehr arbeiten kann, wenn man möchte, aber dass es halt nicht die einzige Möglichkeit ist, die man hat, so wie aktuell.“

Sascha Simons möchte die Unterrichtsweise, die er im Sommersemester mehr oder weniger gezwungenermaßen angewendet hat, nun auch zukünftig anwenden:

„Was ich mir vorgenommen habe weiter zu benutzen oder weiter zu verwenden, ist, dass ich, dadurch dass ich jetzt als Standardmodus asynchron unterrichte, sehr viel genauer definieren muss, vorweg, was meine Erwartung zum Beispiel an eine Textlektüre, an einen theoretischen Text sind und wie ich diese Lektüre wiederum in die Fragestellung des Gesamtseminars einbinden würde. Das möchte ich gerne weiterbehalten, also auch im Wintersemester.“

Das aktuelle Semester hat und hatte also für die meisten von uns sowohl gute als auch schlechte Zeiten. Sicherlich kann man aus dieser Zeit einiges Lernen und in der Zukunft weiter anwenden. Ich glaube, ich kann sagen, dass wir alle froh sind, wenn wir wieder einen mehr oder weniger geregelten Ablauf des Studiums haben und die akute Corona-Zeit endlich ein Ende hat. Habt Ihr noch Anmerkungen zum Sommersemester oder Wünsche für die Zukunft? Dann könnt Ihr sehr gerne den Artikel kommentieren.

 

Beitragsbild: Alexandra Schmalnauer

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