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#Buchempfehlung Spinstergirls – Was ist schon normal?

Spinsters sind eigentlich mehr so crazy old cat ladies… doch was wäre, wenn man den Begriff einfach neu besetzt? Und wer darf einem vorschreiben, was „typisch Mädchen“ oder gar „normal“ ist?! Gibt es das überhaupt? Und kann jemand mit einer Zwangsstörung überhaupt normal sein?

„Frauenfrage“, eine Kolumne von Louisa Albrecht

In dem Buch Spinstergirls lernen wir die Protagonistin Evie kennen, die erst seit kurzem aus der Psychatrie raus ist und noch immer gegen ihre Zwangsstörung – Angst vor Keimen- ankämpft. Zu Beginn der Geschichte lernt sie einen netten Kerl kennen, der ihr aber auf einer Party, zu der er bereits völlig sturzbetrunken auftaucht, ihr einfach an die Brüste grapscht und es mit einer lächerlichen Begründung runterzuspielen versucht. Auf ebendieser Party lernt Evie jedoch auch Amber und Lottie kennen, mit denen sie bald über ganz verschiedene Themen redet, vor allem aber Beziehungsfragen, Feminismus und Selbstbestimmung. Über ihre Zwangsstörung traut sie sich noch nicht zu reden und bald redet sie sich ein, dass sie schon fast wieder geheilt, fast normal wäre, weil es das ist, was Evie noch mehr als alles andere will.
Gemeinsam stellen Amber, Lottie und Evie immer wieder fest, wie schwer es ist, anständige Kerle zu finden oder überhaupt Kerle, für die die Bereitschaft zum Sex unter Umständen auch den Willen, eine Beziehung einzugehen bedeuten könnte.

Die Frage, was normal ist und wie man diesen ach so erstrebenswerten Zustand erreicht beschäftigt mich persönlich auch schon seit Jahren, weil ich, genau wie Evie, früher unbedingt normal sein wollte um dazu gehören zu können. Doch um es mit den Worten meiner Schwester zusammen zu fassen: Statistisch gesehen ist es unnormal, normal zu sein.
Das Buch Spinstergirls (auf Englisch Am I normal yet, was meiner Meinung nach vor allem auf Evies Zwangsstörung anspielt) zeigt deutlich, dass Ehrlichkeit wichtig ist, nicht nur anderen gegenüber, sondern vor allem auch mit sich selbst. Außerdem lernen wir, dass es okay ist, Gefühle zu haben und diese zu zeigen und das die Erwartungen anderer an uns nicht unser Maßstab sein sollten.

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Das Originalcover

Abgesehen davon dreht sich das Buch auch viel über mentale Gesundheit! Viel zu oft werden psychische Störungen wie Depressionen oder Magersucht etc. im Alltagssprachgebrauch abwertend verwendet und auf Leute angewendet, die weit davon entfernt sind, das auch nur ansatzweise zu haben. Außerdem sind viele Störungen mit diversen Stigmata behaftet, die in Spinstergirls- Was ist schon normal, am Beispiel von Evies Zwangsstörung deutlich werden und als genau das entlarvt werden, was sie sind.

Fazit:

Dieses Buch ist in meinen Augen MEHR. Nämlich ein Buch über das Leben mit all seinen verdammten Ecken und Kanten das mich nicht nur unterhalten hat, sondern mir auch wichtige Botschaften vermittelt hat.
Dass quasi nebenbei ein paar wichtige FeministInnen erwähnt und ihre Taten ein wenig erklärt werden und tabuisierte Themen wie die Menstruation angesprochen werden sowie die Beschäftigung mit der Stigmatisierung von Störungen, verleiht dem Buch trotz seines scheinbaren Leichtgewichts eine positive Schwere.

Am I normal yet? No. And I don´t want to be normal anyway!

 

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom dtv Verlag zur Verfügung gestellt. Am 31.8 kommt übrigens der 2. von insgesamt 3 Bänden raus, der dritte folgt wohl im Frühjahr 2019.

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