In unserer Reihe “Blick des Tages Spezial” für die Juni-Ausgabe diskutieren Persönlichkeiten aus Journalismus, Medien, Online und Offline unser Leitthema “Print-am-Ende?” Heute: Journalistin Ulrike Langer.
Medien sind nicht mehr die Fixsterne im Webuniversum, für die sie sich immer noch halten (die Ausnahme eines solcher Fixsterns ist wohl Spiegel Online). Webnutzer stellen sich zunehmend ihre eigenen personalisierten Medienangebote zusammen, einige sogar in Form von Echtzeitnachrichtenströmen, die per Twitter oder Facebook zu ihnen kommen.
Medien können aber neue Beziehungen auf Augenhöhe zu ihren Nutzern eingehen. Sie können sich dort integrieren, wo die Nutzer schon sind (zum Beispiel bei Facebook) und sie mit geeigneten Angeboten dort abholen. Dazu müssen sie lernen, Angebote von interessierten Nutzern sinnvoll zu integrieren und pflegen. Sie müssen sich zu Plattformen mit dieser Kompetenz wandeln. Sie müssen journalistische Beiträge als Teil eines fortlaufenden Prozesses, nicht als Endergebnis betrachten. Und sie müssen sehr viel stärker zu Kuratoren von Beiträgen und Meinungsäußerungen einer informierten und interessierten Öffentlichkeit werden.
Bisher machen die meisten Webportale keinen Unterschied zwischen dummen und überflüssigen Kommentaren, solange sie sich im gesetzlichen Rahmen bewegen, und zwischen intelligenten und fundierten Kommentare, die es vom Informationsgehalt her locker mit den ursprünglichen Beiträgen aufnehmen könne. Kompetente Nutzer können eine Recherche weiterbringen, einen anderen Standpunkt in eine Geschichte hineintragen und Fehler korrigieren. Diese Potenziale der Zusammenarbeit mit engagierten Mediennutzern werden momentan noch kaum genutzt.
Ulrike Langer ist freie Medien- und Marketingjournalistin in Köln. Sie hat sich auf Themen rund um den digitalen Medienwandel spezialisiert. Sie betreibt das Fachblog medialdigital und twittert unter @mauisurfer25 .

Der letzte Punkt ist ein ganz guter, und der trifft besonders auf die deutschen Angebote zu. In den USA gibt es zwei vorzeige Beispiele, Nachrichten, zu denen jeder beitragen kann. Es handelt sich zwar mehr um “aggregatoren”, aber dennoch. Huffington Post und Buzzfeed.com, beides Angebote die sehr stark im kommen sind. Z.b. Huffington Post ist schon fast auf gleichem Traffic niveau mit der NY Times. Wenn ein Nutzer sehr aktiv ist, und seine Beiträge populär, können diese “große Schlagzeilen” werden, ganz egal WER sie verfasst hat.
[...] die beiden Frauen, die auf unsere Frage antworteten, ebenfalls den Fokus auf die Nutzer richten. Ulrike Langer und Christiane Schulzki-Haddouti plädieren dafür, dass sich Zeitungen online neu einrichten [...]