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Aktuelles Frauenfrage - Kolumne

Beziehungen als Nonplusultra ?

Vor kurzem ist meine fast fünfjährige Beziehung zu Ende gegangen. Bis auf eine Person sprachen mir alle ihr Mitleid aus, die davon erfuhren. Nur einer fragte, ob denn „Tut mir leid“ oder „Herzlichen Glückwunsch“ angemessen sei. Ein Freund fragte mich, ob ich denn „sehr leide“. Beziehungen gelten für die meisten als einer der wichtigsten Bausteine zum Glück. Doch was macht eine gute Beziehung  aus und was geht es andere überhaupt an, ob und mit wem ich zusammen bin?

„Frauenfrage“, eine Kolumne von Louisa Albrecht

Die letzten fünf Jahre war ich mit ein- und demselben Menschen zusammen, alle dachten, dass es für immer halten wird, doch mit der Zeit stellte ich fest, dass es einfach Dinge gibt, die mich dauerhaft stören und die wir beide allen Bemühungen zum Trotz nicht dauerhaft ändern konnten. Ich begann zu überlegen: Was macht eine gute Beziehung aus? Was wünsche ich mir von einer Beziehung und was bedeutet es wirklich, in einer Partnerschaft zu leben? Ziemlich schnell erkannte ich, dass es vor allem eine Frage vorher zu klären gab: Welche Vorstellungen und Wünsche sind meine eigenen und welche vielmehr gesellschaftliche Ideale, die nicht selten extrem verklärt sind?

Jede*r von uns hat im Leben mindestens einen Film gesehen oder ein Buch gelesen, in dem partnerschaftliche Beziehungen zwischen mindestens zwei Menschen im Mittelpunkt des Geschehens steht. Ob in der BRAVO Girl (Zielgruppe: 12-17), der Brigitte (deren Leser*innen oft 30+ sind) oder einfach im Kino und Literatur – fast keine Geschichte kommt ohne Beziehung aus. Nicht wenige Dystopien, Krimis, Sci-Fi-Stories werden völlig davon dominiert, so dass die eigentliche Handlung in den Hintergrund gedrängt wird. Ich werfe an dieser Stelle gerne mal Panem und Twilight in den Raum….
So oder so frisst der Wunsch nach einer Beziehung einige der Figuren völlig auf und nicht selten gerät die gesamte Mission wegen einer Liebesbeziehung in Gefahr oder das Leben von irgendwem wird komplett umgekrempelt. Wahrhaftiges Glück können die Figuren sowieso nur finden, wenn sie mit irgendwem in einer Beziehung sind.

Neben der lange vorherrschenden Perspektive der Beziehung als einzig erstrebenswerte Lebensform wird zunehmend auch dem Singlesein Beachtung geschenkt und dieses geradezu als Glücksrezept angepriesen. Stark, selbstbewusst, unabhängig, mit sich absolut im Reinen- hach, wie schön, dass es keine anderen Menschen braucht… oder sich das zumindest vermarkten lässt.
Doch wie mensch es auch dreht und wendet – der Frage, ob eine Person in einer Partnerschaft lebt, wird gesellschaftlich sehr viel Raum eingeräumt. Natürlich ist der Mensch ein soziales Geschöpf und braucht dementsprechend andere Menschen, um nicht einzugehen, doch muss das immer so normativ sein?

Was wirklich wichtig ist…

Nach der letzten Aufführung der Bonn University Shakespeare Company  (der Medienblick berichtete) unterhielt ich mich mit einer Person, die seit 10 Jahren Single ist und in der Zeit auch keine Versuche unternommen hat, das zu ändern. Es fehlt ihr nicht, in einer Partnerschaft zu sein und wenn sie darüber nachgedacht, ob ein*e Partner*in nicht doch irgendwie schön wäre, stellte sie immer wieder relativ schnell fest, dass ihr in dem Moment nur beispielsweise jemand zum Anlehnen fehlte. Aber nicht grundsätzlich das In einer Beziehung sein. 10 Jahre Single und zufrieden damit- klingt erstmal ungewohnt, nicht wahr? Aber warum eigentlich?

Innerhalb meiner Grünen Jugend Basisgruppe habe ich ebenfalls mit ein paar Leuten darüber geredet, wann es sinnvoll ist, Schluss zu machen. Einige fanden, dass  mensch sich vor allem bei der anderen Person wohlfühlen muss. Vertrauen, Sicherheit, sich auf einander verlassen können. Wieder andere sahen Kompromissbereitschaft als essentiell an. Mir selbst sind gemeinsame Interessen sehr wichtig und dass die (u.a. sozialen) Bedürfnisse beider zusammenpassen. Ich bin ein extrovertierter Mensch und gehe gerne unter Menschen, jemand der soziale Zusammenkünfte eher meidet und sich unter fremden Leuten unwohl fühlt, könnte damit ein Problem kriegen.

Wer in einer Beziehung ist, sollte bereit sein, Kompromisse einzugehen. Doch wie weit müssen die gehen? Ein Freund berichtete mir von seinem Ex, der es im Laufe der Zeit nicht einmal mehr verstand, wenn eine unterschiedliche Raumtemperatur bevorzugt wurde. Das ist definitiv ein krasses Beispiel für extreme Sturheit.
Heute Film A und demnächst Film B gucken, erscheint mir hingegen normal und auch absolut vertretbar. Doch die Bitte, Hobbys aus Zeitgründen aufzugeben kann schon wesentlicher schwieriger sein. Womit mensch die Freizeit verbringt, wird in meinen Augen idealerweise davon bestimmt, ob es einen glücklich macht. Gleiches sollte auch für Beziehungen gelten. Und wenn es einen glücklich macht, Single zu sein oder nur lockere Beziehungen zu pflegen, dann sollte das in Ordnung sein.

Was geht es mich an, ob du Single bist oder nicht? Sollte es nicht viel wichtiger sein, ob du überhaupt glücklich bist und wie ich eventuelles Unglück lindern kann?

 

An dieser Stelle auch noch ein wichtiger Hinweis: Das Geschlecht einer Person sagt  rein gar nichts darüber aus, ob es für ihn*/sie* „in Ordnung“ ist, mit einer männlichen*/weiblichen*/diversen Person zusammen zu sein. Es ist weder die Aufgabe noch das Recht anderer, darüber zu urteilen.

 

PS: Das Bild stammt von Pexel

 

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