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Aktuelles Alltag Frauenfrage - Kolumne Gesellschaftsleben

Bewaffnet fühle ich mich auch nicht sicherer

Weiblichen Wesen wird ziemlich früh eingebläut: Nachts ist es gefährlich draußen! Besser du bewaffnest dich mit Pfefferspray oder Kampfsportkunst – oder noch besser: Bleibst zu Hause.

„Frauenfrage“, eine Kolumne von Louisa Albrecht

Als vielseitig interessierter Mensch, habe ich auch mal Kampfsport betrieben, fünf Jahre Taekwon-Do, um genau zu sein, also eine reine Selbstverteidigungssportart, die mir viel Spaß gemacht hat. Im Alter von 12-17 war quasi die perfekte Lebensspanne, um so etwas zu erlernen und ich denke, das ein oder andere sollte ich auch noch zweieinhalb Jahre später zusammen kriegen.

Vor kurzem war ich aber das erste Mal mit so etwas wie einer Waffe unterwegs. Klar, wer einen Schlüssel dabei hat, ist sowieso ständig bewaffnet, wenn die entsprechenden Techniken beherrscht werden. (Nur so nebenbei: Selbstverteidigung hatten wir nie in der Schule, nur mal ein paar Monate Ringen, aber das war mehr so: Aus dem Knien heraus den Gegner auf den Boden wälzen.)
Mit „so was wie“ meine ich übrigens meinen Degen. Nicht so einen, wie in Die drei Musketiere, sondern einen modernen und elektrischen. Der ist nicht scharf und nicht spitz, sondern endet in einem kleinen stumpfen Zylinder. Sollte man den ins Auge kriegen oder auch nur vors Schienbein, ganz ohne Schutzkleidung, dürfte es dennoch ganz gut wehtun.
Neulich war ich also auf dem Weg vom Fechten nach Hause, es war relativ spät abends, dunkel, eine Menge Männer unterwegs und ich hatte meine „Waffe“ dabei. Und wisst ihr was?
Ich war wesentlich paranoider als sonst. Statt mich ansatzweise sicherer zu fühlen, mit meinen neunzig Zentimeter Stahl, mit denen einem auch durch Schutzkleidung Verletzungen zugefügt werden können, fing ich an, die Leute noch skeptischer zu mustern.
Statt sich also vor eventuellen Gefahren geschützt zu wissen, hatte ich die Möglichkeit der Gefahr wesentlich präsenter im Kopf als sonst. Keine Ahnung, ob es daran lag, dass ich sonst eher selten mit einem Degen in der Hand herumlaufe oder diesen die ganze Zeit in der Hand hielt, weil ich da keine extra Tasche für habe.
Aber ich glaube, dass das auch das Problem von Selbstverteidigungs-Ringen, Notrufknöpfen und was es sonst noch alles gibt: Ja, sie schützen, aber sie machen auch unheimlich paranoid und erinnern einen permanent daran, dass es etwas gibt, für das so ein Schutz überhaupt erst notwendig ist.

 

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