An manchen Tagen muss man fragen, kann man wagen, so wenig zu tragen?
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Beschwerden eines knapp bekleideten Stück Fleisch

Zu allen Zeiten und in allen Kulturen war die Bekleidung der Frauen stets ein, meist von Männern, heißt diskutiertes Thema. Denn wie Frauen sich auch kleiden, entweder sie zeigen viel zu wenig Haut oder viel zu viel.

„Frauenfrage“, eine Kolumne von Louisa Albrecht

Die Diskussion um weibliche Bekleidung ist ein geradezu unerschöpfliches Thema, das je nach Jahreszeit oder politisch-gesellschaftlichen Entwicklungen immer wieder aufgewärmt wird.
Ich persönlich habe keinen speziellen Hintergrund in Bezug auf Kleiderordnung und kann tragen, was ich will.
Sobald aber ein gewisser Level an Bedeckung unterschritten wird, sehe auch ich mich Blicken ausgesetzt, die ich entweder deswegen nicht auf mir spüren will, weil sie mich zu einem Stück Fleisch degradieren (danke an alle jungen Kerle), oder weil sie mich in die negative Kategorie der viel zu freizügig Gekleideten einordnen (an dieser Stelle vielen Dank an alte Menschen und manche Frauen). Warum Frauen sich in Bezug auf Kleidung nicht einfach in Ruhe lassen, ist eine ebenso gute wie in dieser Kolumne längerfristig wohl unbeantwortete Frage.

Ich gebe offen zu, dass die Shorts, die ich im Sommer trage alle nicht besonders lang sind, mehr als den Hintern bedecken die eigentlich nicht. In Kombination mit einem leicht ausgeschnittenen, eng anliegenden Top zeigt man so relativ viel Haut und Figur. Letzteres zeige ich sowieso oft, da ich gerne enge (aber elastische) Jeans und Tops trage, für mich ist das einfach bequem. Haut hingegen zeige ich eher selten und ganz ehrlich: Jahrelange Blicke, die mich entweder zu Fleisch oder dergleichen degradieren haben dafür gesorgt, dass ich mich kaum noch wohl damit fühle, im Sommer das anzuziehen, was temperaturmäßig das sinnvollste ist – möglichst wenig. Dabei sind meine Klamotten nicht mal besonders auffällig, weder bunt noch sonst etwas. Und trotzdem kann frau nirgends hingehen, ohne dass ihre Kleidung sie direkt mit einem Label versieht. Wer übrigens nie enge oder kurze Kleidung anzieht, wird erfahrungsgemäß von seinen Mitmenschen auch irgendwann gefragt, ob sie irgendwie ein Problem mit ihrem Körper hat und etwas verstecken will. Bei Männern interessiert das faszinierender Weise eigentlich nie jemanden.

Wieso kann ich nicht einfach anziehen, was ich möchte und die Kerle behalten ihre Augen bitte bei sich und die Frauen ihre Vorurteile ebenfalls? Gucken kann und will ich niemanden verbieten, aber angaffen muss wirklich nicht sein, egal in welcher Altersklasse oder welchen Geschlechts.

(Und wer jetzt sagt, dass Frauen auch Männer anstarren… möglich. Aber wann habt ihr zuletzt einen Zeitungsartikel über zu leicht bekleidete Männer gelesen oder als Begründung für übergriffiges Verhalten bei Männern ihre kurze Kleidung angeführt? Wann wurde ein Kerl bei euch im Freundeskreis als Schlampe oder prüde eingestuft?)

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