Junges Musical Leverkusen
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Auf den Spuren des Broadways

Jedes Jahr stellt das Junge Musical Leverkusen auf ehrenamtlicher Basis ein musikalisches Projekt auf die Beine. Was hinter den Kulissen passiert und warum sich die harte Arbeit immer wieder lohnt, haben mir Nadine Söhnert, Pascal Torka und Anna Bobach an einem langen Probentag verraten.

Von Lena Bremer

Mit jedem Jahr wird die Produktion des Jungen Musical Leverkusens aufwendiger, größer, aber auch immer professioneller. Ganz zu Beginn, als der Verein aus nur etwas mehr als ein Dutzend Leuten bestand, war alles noch recht klein: ein bisschen Bühnenbild, ein bisschen Choreografie, eine kleine Band. Für die Aufführung von „Shrek – Das Musical“ stehen im Februar und März nun 36 engagierte Mädchen und Jungen auf der Bühne der Opladener Festhalle, die ganze 550 Besucher fassen kann. Begleitet werden die Darsteller*innen des Jungen Musicals bei ihren Shows von einem 20-köpfigen Orchester. Damit während des Projekts alles reibungslos läuft, gibt es inzwischen verschiedene Ressorts, die sich um die anfallenden Aufgaben kümmern. Da braucht es zum Beispiel jemanden für die Finanzen, das Marketing und die Kostüme. Hier hilft jeder wo er kann.

„Wir versuchen schon seit mehreren Jahren immer wieder etwas Kleineres zu machen, aber irgendwie expandieren wir immer mehr“, erklärt Nadine (30), die bereits bei dem Stück „Der kleine Horrorladen“ im Jahr 2011 mitwirkte. Mittlerweile ist sie nicht mehr nur im Ensemble tätig, sondern fungiert auch als Regisseurin und Tanzleiterin und übernimmt damit gleich zwei Aufgaben gleichzeitig. Da ist es besonders wichtig den Überblick zu behalten und alles genau zu planen: „Was mache ich wann, wen binde ich ein, wen kann ich wann gebrauchen und wer steht schon in der Szene auf der Bühne und kann in der darauffolgenden nicht. Und was sagt eigentlich das Kostümbudget?“ Bevor den Zuschauer*innen bei der Show ein märchenhaftes Erlebnis geboten werden kann, gibt es also eine Menge Arbeit zu erledigen.

Diese beginnt schon bei der Stückauswahl. Noch während der laufenden Proben wird bereits nach einem neuen Projekt gesucht. Das ist gar nicht so leicht, denn zum einen gibt es nicht viele Skripte zur Auswahl, die einem von den deutschen Verlagen zur Verfügung gestellt werden, und zum anderen sollte das Stück die internen Kriterien erfüllen. So sollte die Geschichte möglichst allen ein Begriff sein, Tanzeinlagen beinhalten und auch das Orchester einbinden. Mit „Shrek“ hat das Junge Musical Leverkusen dieses Jahr ein Projekt gefunden, an dem nicht nur das Ensemble Spaß hat, sondern auf das sich auch das Publikum freuen kann. „Shrek ist halt einfach eine super witzige Komödie, das ist einfach Unterhaltung pur“, verspricht Anna (24). Sie ist seit 2011 Mitglied im Ensemble und vor zwei Jahren zur ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt worden. „Du bist eigentlich die ganze Zeit am Lachen und gleichzeitig berührt es dich. Es ist halt eine gute Mischung.“ Zu den besonderen Highlights in diesem Jahr gehört ebenfalls, dass die Sänger*innen zum erstem Mal eine Musicaldisziplin in das Stück involvieren, die keiner von ihnen zuvor beherrschte: das Steppen. „Das war für jeden von uns etwas ganz Neues, das war einfach unglaublich cool. Und ich hoffe sehr, dass wir auch die Zuschauer mit dem Ergebnis begeistern können“, äußert Anna.

Vom Konstruktionsplan zum Gesamtkunstwerk

© Lena Bremer
Schon bei den Proben gibt die Gruppe Vollgas © Lena Bremer

Originell zeigt sich auch das Bühnenbild, denn zum ersten Mal wird die Grundszenerie nicht nur als Projektion an die Leinwand geworfen. Extra für „Shrek“ wurden vier etwa 4,50 Meter hohe Türme mit je drei Seiten angefertigt, auf denen die verschiedenen Hintergründe abgebildet sind. So zeigt eine Seite den Sumpf, der Shreks Heimat darstellt, eine andere Seite die Schlossmauer, die unter anderem den Burgszenen dient, und die letzte Seite zeigt die Kathedrale, die für die Schlussszene von großer Bedeutung ist. Für eine perfekte Atmosphäre sind aber auch die Details wichtig. Deshalb wurden zusätzlich noch ergänzende Bauteile angefertigt, wie beispielsweise Shreks Hütte, die dann für die entsprechende Szene auf die Bühne geschoben wird.

„Das sind im Endeffekt ganze Seiten voller Pläne, die du für die Show auswendig kennen musst.“

Die Leitung des Bühnenbild-Ressorts hat, wie auch das Jahr zuvor, Pascal Torka (23) übernommen. Da er nicht nur im Ensemble singt, sondern auch im Master Architektur studiert, bietet sich ihm hier die Chance, sein Expertenwissen in die Praxis umzusetzen. Mit viel Kreativität entwirft er die Konstruktions- und Organisationspläne, die dann mit einer kleinen, internen Gruppe umgesetzt werden. Alle ein bis zwei Wochen trifft man sich in einer eigens dafür genutzten Halle, in der dann gewerkelt und getüftelt wird: „Es wird alles selbst gebaut. Wir planen, machen die Einkäufe selber, bearbeiten und schneiden das Material. Da geht echt viel Zeit drauf.“ Manchmal stoßen die Freunde dabei aber auch auf Grenzen, denn alle guten Ideen sind auch an Rahmenbedingungen gebunden. So müssen beispielsweise nicht nur die Kosten mit dem Budget abgestimmt werden, sondern auch Brandschutzbestimmungen und Platzvorgaben eingehalten werden. Und dann müssen natürlich auch noch handwerkliche Fertigkeiten da sein, denn die Helfer kommen schließlich nur aus den eigenen Reihen. Und wenn dort niemand schweißen kann, dann wird halt gehämmert. „Wenn man’s einmal gut überlegt hat, dann klappt das eigentlich auch“, sagt Pascal selbstsicher.

© Lena Bremer
© Lena Bremer

Doch um ein perfektes Gesamtkunstwerk zu erschaffen, muss auch während der Show noch eine Menge erledigt werden: Turm drehen, Bauteil rauf, Bauteil runter, dazwischen dann noch schnell umziehen und den Überblick behalten, wann der nächste Einsatz kommt. „Das sind im Endeffekt ganze Seiten voller Pläne, die du für die Show auswendig kennen musst. Da kann viel schiefgehen“, erzählt Pascal. Manchmal hat man nur zehn Sekunden bis zur nächsten Szene, also kaum Zeit, alles umzubauen, ohne den Erzählfluss zu stören. Natürlich wünscht sich Pascal, dass alles glatt geht. Aber wenn’s mal nicht klappt, dann ist das auch nicht so schlimm, schließlich kann das Publikum so sehen, was alles hinter den Kulissen passiert. „Also mir tut das nicht weh, ganz ehrlich. Manche Leute tun sich damit schwer und sagen, das geht gar nicht, aber ich find‘s cool.“

Mehr Nebenjob als Hobby

Insgesamt dauert ein Projekt circa ein dreiviertel Jahr. Nach der letzten Aufführung wird im Frühling direkt nach neuen Mitgliedern gesucht. Wer mitmachen möchte, hat also einmal im Jahr die Möglichkeit, einzusteigen. Ungefähr im Juni findet dann ein Casting statt, bei dem die jeweiligen Rollen des Stücks zugeteilt werden. Der Start für die Proben ist in der Regel am Ende der Sommerferien, wenn alle aus dem Urlaub zurück sind und Zeit haben, sich mit Leidenschaft in die Proben zu werfen. Das meint konkret: Sonntags drei Stunden Ensemble-Probe, mittwochs zwei Stunden Tanz-Probe, dazu noch zwei Stunden Solisten-Probe und gegebenenfalls noch Gesangs-Probe – zusätzlich zum eigenständigen Textlernen, natürlich. Im Musical verbinden sich viele Einzeldisziplinen, die im Einklang funktionieren müssen. Damit dies gelingt, beginnt im Januar die heiße Phase, in der man sich sogar ganze fünf bis sechs Stunden trifft. Dort werden dann besonders die Szenen geübt, an denen alle Darsteller*innen beteiligt sind, so wie beispielsweise die Hochzeitsszene am Ende von „Shrek“. Jeder Schritt, jede Geste, jeder Dialog muss ganz genau einstudiert sein. Stehen alle richtig, kennt jeder seinen Einsatz?

„Wenn man am Ende einer Produktion dasteht und sich in den Armen liegt, dann weiß man auch einfach, dass man etwas richtig Gutes geschafft hat.“

© Lena Bremer
Jede Szene wird detailliert geprobt © Lena Bremer

Das stundenlange Proben mehrmals die Woche nimmt jede Menge Zeit in Anspruch. Diese neben der Arbeit oder dem Studium aufzubringen, ist gar nicht so einfach. „Das ist schon immer sehr nervenaufreibend“, gibt Anna zu. „Das geht über ein normales Hobby hinaus und erfordert auch ganz viel Mitmachen eines jeden Einzelnen. So ein Projekt ist schon mehr ein Nebenjob, für den man kein Geld bekommt.“ Ans Aussteigen hat Anna trotz der vielen Strapazen aber noch nie gedacht. Nicht nur, dass sie durch das Musical an ihrer Bühnendarstellung arbeiten kann, die Gruppe ist für sie auch wie eine zweite Familie geworden. Mit ihnen sammelt sie Erfahrungen, entwickelt sich weiter und überwindet ihre eigenen Grenzen. Beim Jungen Musical wächst sie mit den Menschen zusammen, die ihre Leidenschaft und den Spaß am Gesang, am Tanz und der Schauspielerei teilen. „Das entschädigt komplett alles: den ganzen Aufwand, den ganzen Stress. Und wenn man am Ende einer Produktion dasteht und sich in den Armen liegt, dann weiß man auch einfach, dass man etwas richtig Gutes geschafft hat.“

Wer die geballte Energie des Jungen Musicals Leverkusen live auf der Bühne erleben und für drei Stunden in eine märchenhafte Welt voller fantastischer Wesen entfliehen möchte, der kann sich „Shrek – das Musical“ im Zeitraum 23. Februar bis 25. Februar sowie 16. März bis 18. März in der Festhalle Opladen anschauen. Ticketverkauf und weitere Informationen sind auf www.jungesmusical.de zu finden.

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