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Arte en Alicante: Interview mit Gaby Acevedo und Mariano Cegna

Auf der bunten Promenade Explanada de España in Alicante befinden sich viele kleine Stände mit Souvenirs für Touristen. Auch einzigartige Kunst hat hier ihren Platz. Die Maler*innen Mariano Cegna und Gaby Acevedo sind 2016 aus Argentinien in die Hafenstadt gezogen und vermarkten unter anderem selbstgemalte Postkarten. Im Interview erzählen sie über das Malen als Paar, die Liebe für den Impressionismus und die Kunstszene in Alicante.

von Beritan Alpavut

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Verkaufsstand von Gaby Acevedo und Mariano Cegna | Foto: Beritan Alpavut

Medienblick: Wie seid ihr mit Kunst in Berührung gekommen?

Gaby: Ich zeichne schon seit meiner Kindheit und habe Unterricht genommen. Danach kam das Interesse für Design, sodass ich ein Studium in Produktdesign begann. Teile meiner Werke haben immer noch damit zu tun, weil ich oftmals mit Rahmen oder selbstgeschossenen Fotos von Architektur spiele. 

Mariano: Seit ich klein war habe ich mir die Kunstbücher vom TASCHEN Verlag angeeignet. Die Kunst hat mich schon immer beeindruckt, insbesondere impressionistische Künstler*innen wie Monet. Später kam auch das Interesse für den Expressionismus und figurative Kunst. Ich male schon seit meiner Jugend.

Medienblick: Welche Technik bzw. welchen Stil verfolgt ihr mit eurer Kunst?

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Postkarte auf der Explanada de España | Foto: Beritan Alpavut

Gaby: Mein Ausgangspunkt ist immer ein Foto, auf das ich dann mit dem abstrakten Malen beginne. Bei den Fotografien handelt es sich in der Regel um Landschaften und städtische Aufnahmen. Mich motiviert bei meiner Arbeit insbesondere der Kontakt mit dem Papier, da ich oft Collage-Elemente einfließen lasse. Meine neusten abstrakten Werke bestehen aus Acryl-Collagen. Aktuell arbeite ich außerdem viel mit besonderen Papieren und Leinwänden.

Mariano: Was meine Technik angeht, möchte ich mich ungern einschränken. Ich benutze immer alles, was ich kriegen kann. Beispielsweise verwende ich einige Stichtechniken, um Holz und Schnee zu malen. Die Fotos macht allerdings Gaby, weil sie eine sehr gute Fotografin ist und ich nicht (lacht). Ich zeichne auch gerne Landschaften. Mir gefällt sehr das Bildhafte, das kommt von meiner Liebe für den Impressionismus. Ich arbeite viel mit Buchseiten, mit Texten.

Ich versuche einfach, mich nicht einzuschränken. Auch nicht, was die Materialien angeht. Ich nutze Ölfarben, Acryl, Wasserfarben, Gravur… alles was mir dient, um das auszudrücken, was ich möchte. Und es ist mir auch nicht wichtig, ob das „korrekt“ ist oder nicht. 

Medienblick: Warum seid ihr aus Argentinien nach Spanien gekommen?

Mariano: Wir sind nach Alicante gezogen, weil Gabys Vater hier lebt. Außerdem waren wir auf der Suche nach einem Ort, um unsere Kunst an unterschiedlichen Orten in Europa zu zeigen. In Argentinien ist es leider sehr schwierig, sich zu vernetzen und seine Werke zu verkaufen. Es ist dort einfach alles sehr viel schwieriger für Künstler*innen. 

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Verkaufsstand von Gaby Acevedo und Mariano Cegna | Foto: Beritan Alpavut

Medienblick: Wie sieht die Kunstszene in Alicante aus?

Mariano: Hier fehlt es leider ein bisschen an privatem Antrieb. Es gibt nicht viele private Galerien, weil es sehr vom Staat abhängt. Wenn du ein Projekt vorstellen willst, brauchst du erstmal eine Genehmigung. Wenn du aber einmal die Unterstützung bekommst, ist es gut. Man stellt dir beispielsweise einen Saal zur Verfügung, wenn du eine Ausstellung organisieren möchtest. Es fehlt einfach an diesem privaten Impuls. Als wir hierher gekommen sind, haben wir ein Paar kennengelernt, aber es hat sich direkt verschlossen. 

Gaby: Es ist eine sehr geteilte Szene mit kleineren Gruppen, die zusammen arbeiten. Aber eher hinter verschlossenen Türen, nicht so sehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Es sind geschlossene Gruppen, in die man sich nicht einfach eingliedern kann. Uns haben sie schon teilweise die Türen geöffnet, aber wenn du uns nach einer allgemeinen Einschätzung über die Kunstszene hier fragst, sehen wir das so. Alles passiert über den Staat. Ich denke, da kann einfach noch viel mehr passieren. 

Postkarte vom Hafen in Alicante | Foto: Beritan Alpavut
Postkarte vom Hafen in Alicante | Foto: Beritan Alpavut

Medienblick: Arbeitet ihr manchmal zusammen an einem Werk?

Mariano: Wir haben einige Werke zusammen gemacht, z.B. ein paar Porträts in Argentinien. Aber wir sagen es niemandem. Manchmal habe ich an einem Werk von ihr weitergearbeitet und sie hat eins von mir zu Ende gebracht. Wir verraten es nie. Niemand weiß das genau (lacht). Ich fasse aber kein Werk an, wenn sie mich nicht darum bittet.

Gaby: Irgendwie tragen wir immer zum Werk des anderen bei, auch wenn wir es nicht anfassen. Wir tauschen uns nämlich immer über unsere Visionen aus, ziehen den Anderen für einen Rat heran und fragen nach der Meinung des Anderen.

Mariano: Wenn ich irgendeinen Zweifel habe, lasse ich mich von ihr beraten. Dann frage ich: „Was hältst du davon? Welche Farbe soll ich benutzen? Ist es zu dunkel oder zu hell?“ Es gibt immer einen Austausch zwischen uns. 

Tatsächlich ist in jedem Werk von mir immer ein Stück von Gaby – und umgekehrt.

Medienblick: Worin unterscheidet ihr euch künstlerisch am meisten?

Mariano: Ich glaube, Gaby hat eine sehr feminine Arbeitsweise, wie ich sie nicht haben könnte. Sie hat eine sehr klare, harmonische Vision und kann das fertige Bild schon sehen, bevor sie es fertig stellt. Das kann ich nicht. Ich fange normalerweise an zu malen und entscheide währenddessen, wohin es mich trägt. Meine Arbeitsweise ist mehr anarchisch, chaotisch… Und ihre Vision ist sehr viel geordneter und klar. Das macht sie viel besser als ich. 

Gaby: Für mich sind das zwei unterschiedliche Formen, Kunst zu sehen.

Keine Art ist schlechter als die andere. Wir gehen einfach unterschiedlich an die Kunst heran. 

Mariano z.B. ist mental-hyperaktiv. Er kreiert rund um die Uhr und ist dadurch super produktiv. 


Gaby Acevedo: Facebook | Instagram 

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Kunstwerk: Gaby Acevedo

 


Mariano Cegna: Facebook | Instagram 

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Kunstwerk: Mariano Cegna

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