Anna Nahangi
Aktuelles Kultur Studentenleben

„Applaus wirkt besser als jede Droge“ – Leonie Beyerlein von der Theatergruppe Mechthilds Schergen im Interview

Der Traum von der großen Bühne bleibt in den meisten Fällen genau das – ein Traum. Nur wenige können sich in dem harten Schauspielbusiness durchsetzen und erfolgreich werden. Dass es nicht immer die ganz große Bühne sein muss, sondern auch studentische Theatergruppen ihre Träume verwirklichen können, beweisen „Mechthilds Schergen“. Die Ende 2016 gegründete Gruppe hat am 16. Juli 2018 ihr erstes Stück im Pantheon-Theater aufgeführt. Über den langen Weg von der ersten Idee bis hin zum eigentlichen Auftritt habe ich mit einem Mitglied der ersten Stunde gesprochen.

Von Alexa Schröcker

Die Theatergruppe „Mechthilds Schergen“ besteht aus 13 Mitgliedern aus den unterschiedlichsten Studiengängen, die durch die Liebe zum Theater zusammenfanden und in kompletter Eigenregie das Stück Andorra von Max Frisch vor 420 Zuschauern auf die Bühne brachten. Leonie Beyerlein war von Anfang an dabei und hat sich bereit erklärt, mit mir über die Vorgänge hinter den Kulissen einer studentischen Theatergruppe zu sprechen.

Leonie, wie sahen die Anfänge von „Mechthilds Schergen“ aus?

Nach der Gründung der Gruppe wurde uns direkt klar: wir müssen auf die Bühne. Die Entscheidung, Andorra von Max Frisch aufzuführen, war schnell gefällt. Im Nachhinein betrachtet hat uns dieses anspruchsvolle Stück an unsere Grenzen gebracht und ganz schön herausgefordert. Umso stolzer sind wir natürlich jetzt, da die Aufführung ohne größere Pannen über die Bühne gegangen ist.  Da wir zu Beginn nur sechs Mitglieder hatten, war das Besetzen aller 13 Rollen die erste große Herausforderung. Dieser Prozess hat sich über sechs Monate hingezogen und viel Energie gekostet. Mithilfe von Flyern haben wir auf unsere Gruppe aufmerksam gemacht und hatten bei fast jedem Treffen neue Personen dabei, die sich das Ganze anschauen wollten. Manche sind geblieben, andere aber auch gegangen. Wenn du nebenbei schauspielern willst, musst du unglaublich viel Leidenschaft dafür haben. Neben den Proben besteht ein großer Teil der Arbeit aus Organisation, Requisiten und Kostümen. Gleichzeitig haben wir versucht, einen geeigneten Proberaum zu finden. Auch das erwies sich als überraschendes Hindernis. Angefangen haben wir auf dem Hinterhof eines Gruppenmitglieds, bis wir schließlich über viele Umwege einen Raum von der Uni gestellt bekommen haben.

Mit Leidenschaft fürs Theater - Leonie Beyerlein
Mit Leidenschaft fürs Theater – Leonie Beyerlein

Von der Rollenverteilung bis hin zum Feinschliff – wie verliefen die Proben?

Jeder von uns hat zwei bis drei Rollen angegeben, die er gerne spielen wollte. Da wurde schnell klar, dass manche Rollen beliebter sind als andere. In so einer Situation muss man Kompromisse eingehen. Im Endeffekt war da viel Intuition dabei und ich finde, dass die Rollen sehr gut vergeben wurden. Es gab aber leider auch einige Wechsel. Eine Schauspielerin ist beispielsweise während der Vorbereitungen umgezogen. Durch Bekannte wurde dann eine neue Besetzung gefunden. Da gehört dann auch irgendwo blindes Vertrauen dazu, dass die Person das gut spielen kann. In dem Fall hatten wir Glück und die Rolle wurde sehr gut besetzt. Wir hatten außerdem viel Arbeit mit der Hauptfigur Andri, da das eine sehr komplexe Rolle mit viel Text ist. Der Schauspieler ist diese Herausforderung aber mit viel Energie und Zeitaufwand angegangen und hat sogar Sprechtraining genommen. Ungefähr drei Wochen vor der Aufführung hat es klick gemacht und wir dachten uns: Wow, so können wir auf die Bühne gehen.

Wie seid ihr dazu gekommen, im Pantheon-Theater in Bonn aufzutreten?

Im Februar haben wir uns auf der Suche nach einem Aufführungsort an alle möglichen Bühnen in Bonn gewandt. Viele waren für unseren geplanten Zeitraum schon belegt, aber das Pantheon konnte uns einen Termin anbieten. Vor dieser Bühne hatten wir unglaublich viel Respekt, deswegen haben wir eine Woche lang sehr intensiv diskutiert, ob wir dort auftreten wollen. Das Pantheon-Theater hat einen guten Ruf und wir sind nur Laienschauspieler. Wir haben uns schließlich dafür entschieden und uns gesagt: Wir sehen das als Motivationsschub und stecken da noch mehr Arbeit und Energie rein. Natürlich haben wir uns auch gefragt, warum das Pantheon eine Gruppe ohne Schauspielerfahrung auftreten lässt. Viele Menschen finden das toll, wenn junge Leute sich für Kunst interessieren und so ein Projekt auf die Beine stellen. Das haben wir auf dem Weg immer wieder gemerkt.

Ihr habt das Stück, das sich im Original mit Antisemitismus auseinandersetzt, abgewandelt. Inwiefern? 

Als wir uns dafür entschieden haben Andorra aufzuführen, war die Flüchtlingskrise ein großes Thema in den Medien. Da haben wir auch gemerkt, dass das Stück erschreckend aktuell ist. Wir wollten ein Zeichen setzen und haben die Hauptfigur Andri deswegen zum Flüchtling gemacht. Wir mussten dementsprechend auch die Vorurteile über Juden, die in dem Stück thematisiert werden mit Vorurteilen über Flüchtlinge austauschen. Außerdem mussten wir aufpassen, die Worte Ausländer und Flüchtling nicht durcheinander zu bringen. Damit wollten wir gleichzeitig aber auch zeigen, dass diese Begriffe oft vertauscht werden.

Kannst du zum Abschluss das Gefühl vor und nach der Aufführung in drei Worten beschreiben?

Davor: Viel zu tun. Danach: Euphorisch, glücklich und stolz. Ich kann nur sagen: Applaus wirkt besser als jede Droge.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.