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„And the Oscar goes to…“ – Prätentiöse Kunst im Film

Bei den diesjährigen Academy Awards gab es einen großen Gewinner: La La Land. Ein Film, wie er heutzutage nicht mehr gemacht wird. Ein wahres Kunstwerk. Aber ist das wirklich so? Oder handelt es sich bei La La Land bloß um einen weiteren Fall prätentiöser Kunst?

 

Am Sonntag wurden in Los Angeles einmal mehr die begehrten Oscar Trophäen verliehen. Neben bekannten Stars standen auch jene im Mittelpunkt, die sonst im Hintergrund arbeiten. Vom Kostümdesigner bis zum Drehbuchautor wurde alles ausgezeichnet, was einen Film ausmacht.

Der große Favorit und Abräumer des Jahres 2017 war La La Land, eine Hommage an die großen Musicalfilme der Vergangenheit. Historische 14 Nominierungen konnte La La Land abstauben, und sechs tatsächlich auch für sich gewinnen.

Die Berichte und Kritiken über den Film weckten schon bei den Filmfestspielen in Cannes hohe Erwartungen. Ein Satz wurde indes besonders betont:

Diese Art von Film wird heute nicht mehr gemacht.

Dieser Satz trifft so nicht ganz zu. Diese Art von Film wird heutzutage sogar recht häufig gemacht.

Doch nur selten so gut.

La La Land leidet unter einem Phänomen, das (nicht nur) die Filmindustrie seit einiger Zeit heimsucht: Dem verkrampften und zwanghaften Versuch Filme in tiefgründige, bedeutsame Kunstwerke zu verwandeln. Egal um welchen Preis. Das meist die Spannung und der Unterhaltungsfaktor darunter leiden, ist ebenfalls…egal. Denn wer einen tieferen Sinn, den die Kunst ja im Film implizieren will, nicht spannend findet, hat ihn schlichtweg nicht verstanden. Oder noch schlimmer – ist ein Kunstbanause.

Und jeder weiß doch – nur ein ungebildeter Mensch weiß Kunst nicht zu schätzen.

Meist drückt sich diese „Kunst“ im Film durch bestimmte Stilmittel aus, die besonders individuell und untypisch wirken sollen, seltsamerweise aber immer wieder in der ein oder anderen Variation auftreten:

Das plötzliche Ausblenden des Bildes, gepaart mit vollkommener Stille, die sich über den Kinosaal legt. 

Kurz-bündige Sätze. Aneinandergereiht. Doppeldeutig. Kraftvoll. 

Ein für mehrere Minuten eingeblendetes Gesicht, dass ohne Mimik in direkt in die Kamera schaut – und einen fast schon ein „Handlung bitte!“ durch den Kinosaal schreien lässt. Sie ordnen sich dann dem Genre „Independent“ unter. Und machen sich damit auch von jeglicher Kritik unabhängig.

Ich nenne diese Art von „Kunst“ prätentiöse Kunst. ( John Olivers Oscar Bait bringt es auf den Punkt )

Es sind genau solche Stilmittel, die in immer mehr Filmen wiederzufinden sind. Dabei passen solche Darstellungsformen gar nicht zu jedem Film!

Sie unterwandern sich selbst und höhlen einen Film aus, bis nichts als ein beklagenswertes Häufchen Inhalt übrig bleibt.

Dabei sollen sie ihn doch tragen und ausschmücken!

La La Land ist solch ein Film, der durch die Art und Weise, wie er sich darstellt, getragen wird. Er besteht eben nicht nur aus einzelnen künstlerisch wertvollen Strängen, die lose und zusammenhanglos durch den Film wabern. Nein. La La Land verwebt sie zu einem künstlerischem Ganzen.

Heraus kommt ein echtes filmisches Kunstwerk!

Eine frische solide Story, einprägsame Szenerien, warme und knallige Farben und all das untermalt durch fantastische Musik. Die Leitmotive geben dem Film seine melancholische Stimmfarbe, die den Songs den, für ein Musical fast schon verpflichtenden, Ohrwurm-Faktor verleihen.

Es ist die Musik, die dem Film seine außergewöhnliche Note gibt, die für 14 Oscar Nominierungen und sechs Auszeichnungen gesorgt hat.

Zwar würde ich nicht so weit gehen, La La Land dem Independent-Genre unterzuordnen (in erster Linie ist es schließlich ein Musical-Film). Aber da die für Independent Filme typischen Elemente in La La Land ebenfalls angewandt werden, sehe ich ihn dennoch dort vertreten.

Daher ist La La Land vor allem eines: Eine Hommage an die guten Independent Filme und ein Vorbild für alle noch kommenden.

 

 

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