Aufdruck der Papiertüte, in der die Lebensmittel geliefert werden. Foto: Britta Meurer
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Amazon kann jetzt auch „fresh“

Du willst ein neues Buch kaufen? Amazon. Du willst es schnell bei dir haben? Amazon Prime. Du willst Musik streamen? Amazon Music. Du willst eine Serie oder einen Film leihen? Amazon Video. Du willst sie lieber streamen? Amazon Prime Video. Du willst dazu Popcorn? Amazon Prime Now. Du willst Popcorn nachbestellen mit einem Klick? Amazon Dash. Du willst regelmäßig und automatisch Popcorn? Amazon Pantry. Was kann Amazon eigentlich noch nicht?

Von Britta Meurer

Amazon bietet für so ziemlich jedes Problem eine Lösung. Über Amazon Pantry kann man sich sogar in festgelegten Abständen regelmäßig und automatisch Lebensmittel nach Hause ordern, ohne dafür vor die Haustüre zu müssen. Unseren Hunger auf frische Produkte oder Waren vom Feinkostladen um die Ecke stillt Amazon durch Amazon Fresh aber erst seit Mai 2017 in Deutschland. Jedenfalls sofern man in Berlin oder Potsdam lebt.

Aufdruck der Papiertüte, in der die Lebensmittel geliefert werden. Foto: Britta Meurer
Aufdruck der Papiertüte, in der die Lebensmittel geliefert werden. Foto: Britta Meurer

 

Amazon Fresh im Test

Freitag, 12. Mai 2017, ca. 21:00 Uhr, Berlin-Mitte: Unsere Planungen für den Abend und das Wochenende laufen. Wir wollen auf jeden Fall am nächsten Tag kochen, müssten dafür aber noch einkaufen. Ein Edeka Kiezmarkt ist zwar einerseits direkt um die Ecke, aber andererseits lockt uns Amazon auch mit einem 30-Tage-Probeabo von Amazon Fresh. Das klingt besser, als sich selbst noch in die lange Schlange an der Kasse einzureihen.

Also klicken wir uns durch die 85.000 Produkte. Frisches Obst und Gemüse liegen hier nur ein Klick von Brot und Backwaren, Fisch und Fleisch oder Waren aus lokalen Feinkostläden entfernt. Da diese Aufteilung den Bereichen ähnelt, die wir aus Supermärkten kennen, finden wir uns leicht zurecht und stehen vor der Entscheidung, welche Paprika wir haben wollen. In den Produktinformationen zu 500g roter Paprika steht, dass das Ursprungsland entweder Spanien, Niederlande, Marokko, Italien oder Israel sei. Ein paar Zeilen darunter heißt es aber dann:

Screenshot: Amazon
Screenshot: Britta Meurer

Sehen wir mal über das nicht ganz perfekte Deutsch hinweg, seit wann liegen die Niederlande oder Spanien in Südamerika? Und wie quadratisch kann eigentlich eine Paprika sein? Ganz optimiert scheint Amazon Fresh für den deutschen Markt jedenfalls eine Woche nach dem Start am 4. Mai noch nicht zu sein. Wir sind aber jetzt erst recht interessiert und wollen wissen, wie so eine quadratische Paprika wohl aussieht und schmeckt und legen sie deshalb in den Warenkorb. Dazu kommen u.a. eine Gurke, Tomaten, Feta und Wraps.

21:24 Uhr: Amazon will, dass wir uns zwischen persönlicher Zustellung oder einem Ablageort und zudem für eines der 2-Stunden-Lieferzeitfenster entscheiden. Danach bezahlen wir bequem per Bankeinzug und erwarten, dass uns unsere Einkäufe am nächsten Morgen zwischen 8 und 10 Uhr persönlich zugestellt werden. Jetzt wo die Pflicht erledigt ist, folgt die Kür: Wir gehen aus.

Samstag, 13.05.2017, 01:35 Uhr: Wir sitzen in einer Bar in Neukölln und ich bekomme eine E-Mail von Amazon, in der steht, dass Feta, Frischkäse und Mozzarella leider nicht lieferbar sind. So viel zur Verlässlichkeit von Amazon Fresh. Wir werden also wohl doch noch einkaufen gehen müssen.

08:00 Uhr: Wir stehen notgedrungen auf und hoffen, dass unsere Lebensmittel bald eintreffen, sodass wir uns nochmal hinlegen können.

08:17 Uhr: Ich bekomme folgende SMS, die unsere Lieferung ankündigt:

SMSDHLKURIER
Screenshot: Britta Meurer

08:23 Uhr: Es klingelt und ein junger Kurier mit großem, hellgrünem Rucksack steht vor der Tür und holt daraus eine braune Papiertüte hervor, auf die ein Amazon Fresh-Logo gedruckt ist. Er verabschiedet sich und geht. In der Tüte liegen schön geordnet unsere bestellten Lebensmittel. Jedenfalls die, die dann tatsächlich ihren Weg zu uns gefunden haben. Die Paprika ist nicht quadratisch (zum Glück!) und kommt aus den Niederlanden. Insgesamt sehen alle Lebensmittel sehr frisch aus und werden uns später gut schmecken. Dank dem Frischeversprechen, das Amazon ausruft, hätten wir sie aber auch umtauschen können, wenn wir mit ihrer Qualität nicht zufrieden gewesen wären.

Ein Blick auf die gelieferten Produkte. Foto: Britta Meurer
Ein Blick auf die gelieferten Produkte. Foto: Britta Meurer

Fazit

Über Amazon Fresh kann man sich leicht von Montag bis Samstag zwischen 5 und 22 Uhr mit frischen Lebensmitteln, aber auch Hygieneartikeln und Waren aus lokalen Feinkostläden versorgen lassen. Dadurch spart man sich den Gang zum Supermarkt und das nervige Anstehen an der Kasse. Wenn man bis mittags bestellt, bekommt man seine Lieferung sogar noch am gleichen Tag nach Hause gebracht.

Das hat aber auch seinen Preis: Voraussetzung ist zunächst einmal, dass man Amazon Prime Kunde ist, was 69€ im Jahr kostet. Dazu kommen 9,99€ monatliche Kosten für Amazon Fresh und zusätzlich immer dann 6€ Liefergebühr, wenn man Artikel im Wert von weniger als 40€ bestellt. Aus den 6€ Liefergebühr wurden bei uns nachts noch 3,77€, weil einige Produkte nicht lieferbar waren. Dennoch ist das ganz schön teuer und lohnt sich nicht für so kleine Bestellungen, vor allem wenn man nicht alles bekommt und selbst nochmal losziehen muss.

Das Angebot ist verlockend, weil man sich einiges an Stress und Zeit sparen kann, insbesondere wenn man an den Anlauf in Supermärkten vor Feiertagen denkt. Allerdings verzichtet man dadurch z.B. auch auf das haptische Einkaufserlebnis bei der Auswahl von Gemüse oder die Inspirationen, die einem erst beim Schlendern durch die einzelnen Gänge kommen. Deshalb wird sich Amazon Fresh bei uns vorerst wohl nicht durchsetzen.

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