Prag
Aktuelles Alltag Gesellschaft Studentenleben

Als Returnee wieder im Ausland!

Anmerkung der Autorin: Falls ihr mit dem Begriff des „Returnees“ nicht so viel anfangen könnt – damit werden die Rückkehrer bezeichnet, die sich nach einem Auslandssemester wieder in ihre Heimat eingefunden haben – Anmerkung Ende.

Wie ist es eigentlich wieder dorthin zu gehen, wo man sein Auslandssemester verbracht hat? Wie fühlt es sich an durch die Straßen zu schlendern, die man fünf Monate lang täglich entlang spaziert ist? Ist es einfach ein emotionales Revival oder doch nicht so schön, wie man es sich vorgestellt hat?

Topic of the day: Als Returnee wieder in der Austauschstadt

Dieses Mal beschäftige ich mich mit der Frage, wie es ist nach einem Jahr wieder in Prag zu sein, wo ich mein Sommersemester 2016 verbracht habe! Es heißt ja, dass viele ihre Zeit des Auslandssemesters nachträglich romantisieren. Und wenn sie dann zurückkehren, stellen sie fest, dass der Ort gar nicht mehr so geil ist, wie sie ihn in Erinnerung hatten. Aber wie ist es dann wirklich, wenn es ernst wird? Findet es heraus! 😀

Vor der Ankunft

Kurz vor der Abreise habe ich mir schon gedacht, dass ich bestimmt ein Tränchen an meinen Lieblingsplätzen vergießen werde, weil ich mein Auslandssemester als unglaublich große Bereicherung erlebt habe! Und da eigentlich keiner mehr in Prag war, mit dem ich dort viel Zeit verbracht habe, dachte ich mir auch, dass es vielleicht eher traurig als schön werden könnte. Es ist halt nicht mehr so, es wie im letzten Sommer war. Ich gehöre schlichtweg nicht mehr zum Stadtleben dazu, ich bin jetzt nur noch ein Tourist – ohne festen Wohnsitz, ohne Ziel, nur auf begrenzte Zeit. Und das sind echt keine Glücksgefühle, die sich in diesem Moment ausbreiten…

Aber einen Rückzieher zu machen kam gar nicht infrage, denn im Mai ist einfach die perfekte Zeit um in dieser wunderschönen Metropole unterwegs zu sein!

Vor Ort

Als wir aus dem Flugzeug gestiegen sind und uns in den Shuttlebus Richtung Innenstadt platziert haben, hat es sich für mich einfach wieder wie eine Rückkehr in die Heimat angefühlt! Endlich wieder die süße tschechische Sprache zu hören und dorthin zurückzukehren, wo mein wohl bestes Semester meines ganzen Studiums stattgefunden hat, hat sich einfach nur richtig angefühlt. Deswegen war ich wohl seit der ersten Sekunde an am Dauerstrahlen und -grinsen!

Für meinen Kurzurlaub habe ich vorab versucht Leute zu erreichen, die das Auslandssemester mit mir absolviert haben. Doch bis auf eine Mitbewohnerin aus dem gleichen Wohnheim hatte keiner so wirklich Zeit oder war in der Stadt anzutreffen. Ich empfehle daher allen, die ebenfalls demnächst ihre Wahlheimat unsicher machen möchten: Nimmt unbedingt jemanden mit, mit dem ihr gemeinsame Erinnerungen in der Stadt teilt, damit ihr euch über die guten und schlechten Gefühle direkt austauschen und einfach eure Erfahrungen und Erlebnisse Revue passieren lassen könnt. Mein Kurzurlaub wurde dadurch echt bereichert!

Natürlich standen alle meine Lieblingsorte, -biere und -speisen auf der to-do-Liste! Und das ist auch gut so, denn so war gute Laune vorprogrammiert. Doch letztendlich musste ich einsehen, dass ich wirklich nicht mehr dazu gehöre. Es wird immer ein Teil von mir in dieser Stadt bleiben und ich gehe auch schwer davon aus, dass ich da noch sehr oft in meinem Leben hinreisen werde. Aber es ist tatsächlich nicht mehr dasselbe, nicht mal, wenn alle Leute vor Ort gewesen wären.

Denn es macht einen deutlichen Unterschied, ob du in der Stadt ein Ziel vor Augen hast und dich mit etwas beschäftigen kannst oder ob du einfach nur durch die Gegend schlenderst und dem Tourileben ausgeliefert bist. Ohne eine Aufgabe war ich tatsächlich ganz froh, dass ich nach vier Tagen wieder abgereist bin. Ich bin einfach nicht der Typ dafür, der sich zwei Wochen lang in einer Stadt aufhalten kann, um dort Sight-Seeing zu begehen. Irgendwann strahlt keine Bar, kein Club und kein Museum mehr sonderlich viel Anziehung aus, da der Mensch letztendlich doch immer eine halbwegs sinnvolle Beschäftigung braucht, und sei es nur als Student oder Praktikant.

Ich muss auch noch kurz einen Ausflug in das Thema Gentrifizierung vornehmen, da ich wirklich schockiert war über die Anzahl neuer Läden (egal, ob Shops, Restaurants oder Bars), die innerhalb eines Jahres in dem Arbeiterviertel Holešovice neu eröffnet haben. Das Viertel zeichnet sich eigentlich durch seine unscheinbaren Betonbauten auf der einen Seite und die unglaublich schönen Altbauten auf der anderen Seite. Aber jetzt ist es so überrannt von coolen, hippen Läden, dass es seinen rustikalen Charme verliert. Es war zumindest eines der wenigen Viertel, die relativ zentrumsnah liegen und doch von den Mieten her richtig gut zu meistern waren. Jedoch schätze ich, dass diese goldenen Zeiten für Studenten und normale Menschen, die keine 1000 € aufwärts für die Miete aufbringen wollen oder können, bald vorbei sein werden…

Fazit

Um dem Effekt der Romantisierung entgegenzuwirken empfehle ich euch nicht zu lange in eure Wahlheimat zu reisen, damit kein Gefühl von Langeweile aufkommt. Schließlich seid ihr schon Experten in der Stadt und auch wenn es immer mal wieder was Neues zu sehen gibt, ihr erlebt es nicht mehr so intensiv, weil ihr letztlich nur noch zu Besuch dort sein und nicht, um zu leben!

Und geht überall dort hin, wo eure Sehnsucht euch hinführt! Schwelgt in Erinnerungen und lasst die guten Zeiten auf euch wirken! Die dort verbrachte intensive Zeit kann euch schließlich niemand wegnehmen und deshalb sollte sie jeder ab und an in Ehren halten! 😉 In diesem Sinne, viel Spaß auf eurer bewegenden Reise!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.