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10 düstere Netflix Film-Empfehlungen für sonnige Tage

Mag auf den ersten Blick etwas widersprüchlich klingen, aber auch im Hochsommer hat jeder das Recht die Rollladen runter zu ziehen und sich ganz gemütlich etwas weniger freundliche Filme anzuschauen. Dafür gibt es eine Auswahl von 10 sehr sehenswerten Empfehlungen.

von Gerriet Scheben

  1. Twelve Monkeys (12 Monkeys), USA 1995, R. Terry Gilliam

Ein tödlicher Virus ist ausgebrochen und hat große Teile der Menschheit ausgelöscht. Der Rest der Überlebenden musste unter die Erde fliehen und versucht den Ursprung der Biowaffe aufzuhalten. Der Häftling James Cole (Bruce Willis) wird dazu mittels futuristischer Technologie in die Vergangenheit geschickt, hat aber schwer mit den psychologischen Folgen der Zeitsprünge und seinen eigenen Handlungen zu kämpfen. Spätestens seit Rick and Morty ist bekannt, dass Zeitreisen inhaltlich mehr als verworren und unlogisch ausfallen können. 12 Monkeys liefert das Gegenbeispiel eines mitreißenden, psychologisierten und tragischen Science-Fiction Films der ein rundes Ende findet.

  1. Gone Girl (Gone Girl – das perfekte Opfer), USA 2014, R. David Fincher

Die Vorzeigebeziehung eines Ehepaars geht in die Brüche und allem Anschein nach ist der Ehemann Nick (Ben Affleck) für das vorzeitige Ableben seiner Frau Amy (Rosamund Pike) verantwortlich. Gone Girl zeigt ein perfides Katz-und-Maus- Spiel, dass den äußeren Schein bröckeln lässt und einen Blick hinter die Fassade zulässt. Der Medienzirkus rund um das Verbrechen sowie gesellschaftliche Erwartungen an Beziehungen werden eindrücklich kritisiert. Außerdem hinterfragt die Rolle von Amy die Trope des „Cool Girls“ und stellt einen verzerrten Neuentwurf vor.

  1. Annihilation (Auslöschung), UK/ USA 2018, R. Alex Garland

Lenas (Natalie Portman) Mann Kane (Oscar Isaac) kehrt von einer Geheimmission zurück und wirkt komplett verändert. Sie selbst wird rekrutiert, um einen unerklärlichen Schimmer zu erforschen, der sich von einem Leuchtturm aus unaufhaltsam vergrößert und aus welchem Kane als einziger zurückkam. Mit einem Soldatinnen-/Forscherinnenteam dringt sie immer weiter in die außerweltliche Umgebung vor und wird mit grotesken Verschmelzungen und existenziellen Fragen konfrontiert. Gerade das Ende ist ziemlich abgedreht, aber regt auf jeden Fall zum Nachdenken an. Das Drehbuch orientiert sich am gleichnamigen Roman von Jeff VanderMeer erinnert aber auch stark an die Kurzgeschichte The Colour Out of Space von H.P. Lovecraft. Wer es etwas trashiger mag und länger keine Dosis Nicolas Cage hatte kann mal einen Blick auf Colour Out of Space (Die Farbe aus dem All), USA 2019, R. Richard Stanley werfen.

  1. Prisoners, USA 2013, R. Denis Villeneuve

Zwei kleine Mädchen verschwinden und ihr Vater (Hugh Jackman) gerät zunehmend auf eine Bahn geprägt von unmenschlicher Gewalt. Die Figuren scheinen gezwungener Maßen in Abgründen der psychischer und physischer Misshandlung gefangen zu werden und die moralische Flucht wird mit bitterem Beigeschmack in Frage gestellt. Die gesamte Besetzung spielt grandios, aber Jake Gyllenhaals und Paul Danos schauspielerische Leistung sind besonders hervorzuheben.

  1. Psycho, USA 1960, R. Alfred Hitchcock

Ein Wendepunkt hin zum modernen Horrorfilm. Der Master of Suspense lässt den Schrecken, für den Anfang der 60er revolutionär, nicht mit dem Filmende aufhören. Das Grauen hält in diesem Klassiker Einzug in die privaten Räumlichkeiten, sodass nicht mal die Dusche ein Garant für Ungestörtheit oder zumindest das Überleben ist. Dabei geht die Bedrohung nicht von exotischen Kreaturen aus, sondern der Mensch selbst ist das Monster vor dem man sich in Acht nehmen muss.

  1. Shutter Island, USA 2010, R. Martin Scorsese

Gerade Anfang der 2010er kamen relativ viele Filme in die Kinos, die das Bewusstsein ihrer Protagonisten nach außen tragen und Shutter Island ist ein Paradebeispiel hierfür: Der US-Marshal Edward „Teddy“ Daniels (Leonardo DiCaprio) kommt auf eine mysteriöse Gefängnisinsel und verstrickt sich in einen verwirrenden Fall. Es wirkt so als hätte jeder etwas zu verbergen und das unausgesprochene Rätsel um den Verbleib von Andrew Laeddis entschlüsselt sich in bizarren Visionen der Hauptfigur. Max Richter liefert hierzu eine fantastische musikalische Untermalung und es lohnt sich nicht nur deshalb den Film wiederholt zu sehen.

  1. The Cabin in the Woods, USA 2012, R. Drew Goddard

Ein Muss für Fans von Horrorfilmen, schwierig für Leute, die damit nichts anfangen können: Eine Gruppe von Teenagern fährt in eine verlassene Waldhütte und wird von den Mächten des Bösen bedroht. Klingt nicht wirklich originell, sondern nach einem weiteren The Evil Dead (Tanz der Teufel), USA 1981, Sam Raimi Verschnitt, aber der Film bietet viel viel mehr. Vollgepackt mit Anspielungen und Genrekritik, liegt hier ein postmodernes Meisterwerk, das von einer Torture Redneck Zombie Familie, einem Meermann und einem blutrünstigen Einhorn heimgesucht wird.

  1. Memento, USA 2000, R. Christopher Nolan

Anlässlich des neusten Nolan Film Tenet, der in den Startlöchern steckt kann die Wartezeit bis zum Release vielleicht ein bisschen mit Memento abgekürzt werden: Eine Kriminalgeschichte über die Rache an dem Mörder der Ehefrau von Leonard (Guy Pearce) wird hierbei in einer außergewöhnlichen zeitlichen Narration präsentiert. Was am Ende passiert wird zu Beginn vorweggenommen und stellenweise rückwärts erzählt, wobei der Protagonist selbst starke Probleme mit seinem Kurzzeitgedächtnis hat.

  1. Nightcrawler (Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis), USA 2014, R. Dan Gilroy

Louis Bloom (Jake Gyllanhaal) ist jedes Mittel recht, um an das zu kommen, was er will. Mit seiner skrupellosen Einstellung musste er früher oder später beim Fernsehen landen und fängt als Kameramann an. Sein Aufstieg, der von unmoralischen Missachtungen und abstoßenden Deals geprägt ist, wird hierbei gezeigt. Dabei geht der hochgradig unsympathisch inszenierte Mann über Leichen und hält dabei immer weiter drauf.

  1. La piel que habito (Die Haut in der ich wohne), ESP 2011, R. Pedro Almodóvar

Dieses düstere Drama über den Verlust von geliebten Personen und dem verdrehten Wunsch nach Rache geht (billiges Hautwortspiel vermeiden) ans Eingemachte. Sexualität, Liebe und Identität werden grenzüberschreitend thematisiert und in ein krankhaftes Denken gefasst, dass verstörend anzusehen ist. Dabei paaren sich Irritation und Faszination der Abwegigkeit von fehlgeleiteten Vorstellungen und fließen in einen schweren, aber sehr empfehlenswerten Film zusammen.

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