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 Frankenstein is Lost in Time!

Vom 03.06. bis zum 09.06 führt die Londoner Theatergruppe Lost in Time eine Neuadaption von Frankenstein auf – dazu gibt es ein buntes Rahmenprogramm. Lohnt es sich, diesen uralten Stoff nochmal aufzuwärmen?

von Louisa Albrecht

Mary Shelleys Roman Frankenstein ist so alt wie unsere Uni, 200 Jahre, und doch noch immer hochaktuell – je nach Lesart.
In der Aufführung von LiT wird Frankenstein (also der Schöpfer, nicht das Monster, das hat keinen Namen) weiblich, die Repressalien denen sich Frauen im 19. Jahrhundert gegenüber sahen mit aufgegriffen und zugleich ein Zeitsprung in die Gegenwart unternommen. Denn das Stück beginnt damit, wie ein junger Mann in einer Bibliothek Literatur für seinen Algorithmus zusammen sucht, mit Hilfe dessen er die Grenze des Todes überwinden und Menschen das ewige Leben schenken will. Eine ähnliche Motivation, die auch einst Victoria Frankenstein antrieb und so verwundert es wenig, dass die Bibliothekarin ihm ausgerechnet die Notizen von Vicotrias Freund und engem Vertrauten Henry übergibt…

Vom Rahmenprogramm habe ich leider nur einen einzigen Tag miterlebt, den 08. Juni der der Entstehung von Frankenstein aber auch der Bedeutung von Geschlecht (und dem Hindernis, welches das weibliche Sein früher wie heute darstellt) gewidmet war und nicht nur mit Vorträgen sondern auch einem kleinen Monolog einer Darstellerin von der Bonn University Shakespeare Company (BUSC) gefüllt wurde.
Zugleich wurden Parallelen gezogen, zu anderen Werken (u.a. Dr. Jekyll and Mr. Hyde und Dracula), Adaptionen (Penny Dreadful) und der Rolle der femme fatale in Erzählungen.
Obwohl ich nur diesen einen Abend erleben konnte, war ich absolut begeistert vom Frankenstein Festvial. Das Rahmenprogramm war nicht nur gut, sondern teilweise sogar umwerfend!

Doch kommen wir zum eigentlichen Stück…

Ich muss zugeben, dass ich Frankenstein bis heute nicht gelesen habe, das Stück dennoch sehr gut verstehen konnte, auch sprachlich ging es gut, trotz index der Inszenierung auf Englisch. In den von LiT-Schauspielern ausgerichteten Theaterworkshops die ich zusammen mit anderen BUSC-Mitgliedern in den letzten Tagen genießen durfte, ließ sich bereits erahnen, dass die SchauspielerInnen nicht nur sehr leidenschaftlich sind, sondern auch ausgesprochen talentiert.  Mit überraschend wenigen Requisten (lediglich ein Tisch, zwei Stühle, zwei Bücherregale, eine ominösen Maschine, ein paar Decken sowie zwei Koffer) haben sie es überzeugend geschafft, mehrfach kleine Zeitsprünge nach vorne (ein paar Tage, teilweise auch Monate) zu inszenieren sowie Reisen durch die Schweiz, Deutschland  und in ein kleines Cottage überzeugend darzustellen, ohne es einfach nur stumpf zu erzählen. Trotz der relativ simplen Kulissen und Kostüme war das Stück ein überaus lebendiges, da die schauspielerische Leistung von allen Beteiligten schlicht und ergreifend überragend war, da eine große Bandbreite an Emotionen transportiert wurde, die auch das Publikum erschauern, mitfiebern oder ein wenig dem Wahnsinn anheim fallen ließ.
Dass das Ganze dann auch noch in den modernen Kontext der künstlichen Intelligenz eingebettet wurde und zusätzlich eine großzügige Prise an feministischer Perspektive eingestreut wurde (ohne dass diese aufdringlich geworden wäre), macht das Stück absolut sehenswert.

Wer sich davon selbst überzeugen möchte, kann das heute Abend noch in der Brotfabrik ab 18:00 tun.

 

Programm: http://www.brotfabrik-theater.de/hauptnavigation/aktuell/detailansicht/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=40&cHash=e9ae5c16b89407e243de3e703969416b

 

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